Wilde Kräuter

Hast du jemals in den Kühlschrank geschaut und nichts gefunden, worauf du gerade Lust hast? Vielleicht ist es einfach nur an der Zeit einen kleinen Spaziergang zu machen. Solange du nicht gerade in der Bronx oder einer Betonwüste lebst, wirst du vielleicht überrascht sein, wieviel allerhand Essbares da draußen auf dich wartet.

Klar ist es nicht immer ganz so einfach – besonders wenn man nicht damit groß geworden ist. Zum Glück habe ich einen Vater, dem es ziemlich egal war, wenn er sich vor meinen Freundinnen „voll peinlich“ benahm. Zum Beispiel, indem er an irgendeiner Böschung am See eine Handvoll Bärlauch pflückte und das Kraut meinen Freundinnen samt ausdrucksstarkem Aroma unter die Nase rieb. „Igitt“ war meine übliche Reaktion und auch die meiner Freundinnen aus der Stadt. Trotzdem war ich insgeheim fasziniert von seiner magischen Gabe über Pflanzen Bescheid zu wissen.

Bärlauch
Bärlauch

Wenn wir meine Tante über Ostern in Deutschland besuchten, verordnete sie uns regelmäßig Gartenhandschuhe und verdonnerte uns zum Brennnessel sammeln. „Die jüngsten und hellsten, bitte!” blökte meine Tante von hinten und wir gehorchten, während wir die biestigen Triebe zupften und erfolglos versuchten unsere Handgelenke und Knöchel vor Verbrennungen zu schützen. Zur Beruhigung säuselte meine Mutter, dass das gut gegen Arthritis sei, was die ganze Aktion in meinen Augen fast schon waghalsig wirken ließ.

Als wir dann nachhause kam kochte unsere Tante meistens eine heiße, cremige Suppe, die nach Knoblauch duftete und von einem Märchen begleitet wurde, das sich um ein Mädchen und ihre sieben Brüder drehte. Eine garstige Hexe verwandelte sie in Schwäne und die einzige Möglichkeit ihre Brüder zu retten war, ihnen allesamt Hemden aus Brennnesseln zu stricken und zwar vor Mitternacht. Natürlich holte sie sich währenddessen fleißig Verbrennungen, aber just vor Mitternacht warf sie die Nesselhemden schließlich in die Luft, damit ihre Brüder in sie hinein fliegen konnten. Nur das siebte Hemd war nicht ganz fertig geworden und so kam es, dass sich ihr jüngster Bruder für immer mit einem Dasein mit einem Arm und einem Flügel abfinden musste. Jedes Mal wenn ich Brennesseltee trinke (bekanntlich gut für den Teint!), muss ich an das arme Mädel denken.

Jeden Sommer wurde meine Mutter halb verrückt wegen des vielen Löwenzahns in unserem Garten. Und so ließ sie uns alle ausreißen und anschließend die Blumen absammeln, aus denen sie dann den Löwenzahnsirup herstellte. Was, um ehrlich zu sein, einfach wie gewöhnlicher süßer Sirup schmeckte, weshalb ich dieses spezielle Rezept hier nicht weitergeben werde! Aber es schadet nicht, ein paar zarte Löwenzahnblätter in einen grünen Salat zu geben. Sie schmecken leicht bitter, in etwa wie Radicchio. Offenbar hat Löwenzahnwurzel eine stark harntreibende Wirkung, was im Klartext bedeutet, dass man häufiger pinkeln muss, und könnte erklären, warum ihr gebräuchlicher Name im Französischen „bett-pinkler“ (pis en lit) lautet.

Es ist mir dermaßen zur Gewohnheit geworden, im Gehen Dinge zu essen, dass ich auch in der Natur oft ein oder zwei Blätter von irgendetwas abzupfe, weil ich einfach wissen will, wonach es schmeckt. Sogar einige immergrüne Bäume, wie die Fichte, sind es wert probiert zu werden. Im Frühling, wenn sie ihre ersten hellgrünen Spitzen bekommen, sind sie weich und zart und schmecken zitronig und leicht säuerlich. Sie können anstelle von schnöder Zitronenschale auf alles Mögliche gestreut werden – von Hühnercurry bis zu Rührkuchen.

Ja, meine Freunde halten mich manchmal für etwas sonderbar, wenn ich z.B. eine Handvoll Vogelmiere in meinen grünen Salat kippe, um ihm einen interessanten Twist zu geben. Aber wenn ich mein Gemüsebeet jäte und dieses Zeug so üppig und saftig zwischen Schnittlauch, Petersilie und anderen begehrenswerten Pflanzen wächst, verdient es in meinen Augen nichts anders, als gegessen zu werden. Und sogar meine Freunde müssen zugeben, dass es eigentlich auch ziemlich gut schmeckt!

Löwenzahn

Sauerampfer Suppe

2 große Kartoffeln

1 Zwiebel

1 Lorbeerblatt

¼ TL Piment

Getrocknete Pilze

Frischer Sauerampfer (ein bis zwei Handvoll), in dünne Streifen geschnitten

100 ml Saure Sahne

Etwas Wasser aus einem Gurkenglas

Salz, Pfeffer und Zucker

Zubereitung

Kartoffeln würfeln und in etwas Fett anbraten bis sie schön braun sind, die gewürfelte Zwiebel hinzufügen und braten bis sie weich geworden ist. Anschließend den Sauerampfer hinzufügen. Piment, Lorbeerblatt und getrocknete Champignons hinzufügen und auf kleiner Flamme köcheln lassen, bis die Kartoffeln anfangen zu zerfallen, dann die Saure Sahne und etwas Wasser aus dem Gurkenglas zugeben, bis die Suppe die gewünschte Konsistenz hat. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken.

*Pumpernickel und Wodka passen übrigens ideal dazu

Brennnessel-Ziegenkäse-Tarte

Für den Boden:

50g Dinkelmehl

50g Vollkorn

100g einfaches Weißmehl

100 g Fett (Butter, Margarine oder Kochfett)

Salz

Die Mehlsorten mit dem Fett vermengen bis feine Streusel entstehen. 

Nach und nach handwarmes Wasser hinzufügen bis sich ein homogener Teig bildet. 

Anschließend den Teig kreisförmig ausrollen und in eine Tarte-Form pressen. Die Ränder andrücken und immer darauf achten, dass sich keine Risse bilden. Die Füllung soll später nicht durchsuppen.  

Den gesamten Teig mit einer Gabel löchern, damit der Dampf beim Backen entweichen kann. 

Für 10 Min. bei 190 Grad im vorgeheizten Ofen blindbacken.

Für die Füllung:

1 mittelgroße Zwiebel dünsten

200 g entstielte, gehackte Brennnesseln hinzufügen (nicht wundern, sie schrumpfen wie Spinat, also 200g im entstielten Zustand)

2 Knoblauchzehen

1 Teelöffel Majoran

1 Prise Salz

Verquirlen:

3 Eier

200 ml Sahne

½ TL Muskatnuss

½ TL Salz

Pfeffer

Topping

100g Ziegenkäse, zerbröselt 

Die Füllung auf dem vorgebackenen Boden platzieren und vorsichtig mit der Eier-Sahne-Mischung begießen. Nach ca. 20 Min. mit dem zerbröckelten Ziegenkäse garnieren und ca. weitere 20 Min. backen. Sie ist fertig, wenn die Ränder und der Käse braun werden.