Wie geht es eigentlich den Bienen?

Sehnsüchtig haben wir auf das erste Highlight des Frühlings gewartet – die Kirschblüte. Dieses Jahr will sich die Kälte einfach nicht verabschieden und gestern gab es sogar wieder Bodenfrost. Trotzdem machen wir uns auf eine Erkundungstour nach Brandenburg in der Hoffnung etwas Blütenzauber zu erhaschen. Für eine Fünfjährige ist es ein besonderes Ereignis und die Aufregung ist riesig. 

Ohne die Biene geht so gut wie gar nichts. 70 % der weltweiten Landwirtschaft ist auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen.

Wie herrlich die Landschaft im Frühling doch ist. Die klare Luft, das saftige Grün der Felder und ganz weit weg schimmern schon zart die ersten Obstbäume. Als wir endlich ankommen und unter einem blühenden Kirschbaum picknicken, schwirrt und summt es um uns herum. Wir sehen Bienen, Hummeln und andere Verwandte der Biene Maja, die ich nicht so recht zuordnen kann. „Die Bienen bestäuben die Blüten, dadurch verbreiten sich Hunderttausende Pflanzen auf der Welt“, erkläre ich dem Kind und merke, dass mein Repertoire nicht über das Schulprogramm hinausgeht. Also beschließe ich mich zu informieren. Bei meiner Recherche komme ich an den Schlagzeilen zum Thema Bienensterben nicht vorbei. Wie geht es den Bienen heute und was hat es mit dem Bienensterben auf sich? 

Honigbienen und Wildbienen, der feine Unterschied 

Als Laie habe ich beim Bienensterben als Erstes an die Honigbienen gedacht. Doch auf der Seite des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit lese ich, dass vom Bienensterben nicht alle Bienen betroffen sind. Es gilt vor allem zwischen Honigbienen und Wildbienen zu unterscheiden. 

Wildbienen leben als Einzelgänger. Sie werden deswegen auch als Solitär- oder Einsiedlerbienen bezeichnet. Mehr als 400 Bienenarten bauen ihre Nester eigenständig. 75 % aller Wildbienen nisten im Boden, der Rest sucht sich Pflanzenhalme oder nutzt Fraßgänge von Käfern im Holz. Die Holzbiene zum Beispiel bohrt sich eigene Löcher in Totholz, und einige Hummelarten nutzen Baumhöhlen, um dort ihre kleinen Staaten zu gründen. 

Ohne die Biene geht so gut wie gar nichts. 70 % der weltweiten Landwirtschaft ist auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen.

Honigbienen hingegen werden von Imkern gezüchtet. Sie leben als Völker in einer hoch sozial organisierten Dauergemeinschaft mit ausgeprägter Arbeitsteilung und Kommunikation. Durch die Gemeinschaft sind die Honigbienen gut in der Lage, Verlust einzelner Artgenossen zu kompensieren, ohne dass das ganze Bienenvolk eingeht. In den letzten fünf Jahren wurde in Deutschland eine deutliche Zunahme an Imkern und Bienenvölkern verzeichnet. Alleine in Niedersachsen ist die Zahl der Imker um 25 % gestiegen.

Wenn es also um das Bienensterben geht, sind vor allem Wildbienen gemeint. Es gibt etwa 560 Wildbienenarten, 60 % davon sind in Deutschland seit Jahrzehnten bedroht. 16 Arten gelten bereits als ausgestorben.

Ursachen für das Bienensterben 

An erster Stelle ist für das Bienensterben der Lebensraumverlust verantwortlich. Durch die Urbanisierung, Flächenversiegelung, Zuwachs an neuen Straßen und Bauflächen wird der natürliche Lebensraum der Wildbienen verdrängt. Im Laufe ihres Lebens durchlaufen Wildbienen mehrere Entwicklungsstadien: vom Ei zur Larve über die Puppe bis zur ausgewachsenen Biene. Einige Monate verbringen die Wildbienen dabei in einer Ruhephase und dazu benötigen sie Nisthöhlen. Sind die Nistbedingungen nicht gegeben oder werden gestört, schrumpft der Bienenbestand dramatisch. Laut PETA wird jeden einzelnen Tag eine Fläche von 70 Hektar zerstört, die den Wildbienen als Lebensgrundlage dienen könnte. 

The loss of habitat is the foremost cause of declining wild bee numbers. As a result of urbanization, the cordoning off of terrain, and the growth of new streets and building sites, the natural habitat of wild bees has been severely reduced.

Knappes Nahrungsangebot 

Durch die Zunahme an Monokulturen und weiter schwindenden Biodiversität wird das Nahrungsangebot für die Wildbienen immer knapper. Auch der Verlust von Flächen, auf denen heimische Pflanzen wachsen können, reduziert das Angebot an abwechslungsreicher Nahrung, die für die Insekten ähnlich wie für Menschen einen unverzichtbaren Schutz vor Krankheiten darstellt. Wie auch bei vielen anderen Insektenarten gibt es unter den Wildbienenarten einige, die sich auf einzelne Pflanzenfamilien bei der Aufnahme von Pollen und Nektar spezialisiert haben. Ohne ihre sogenannten Trachtpflanzen sterben die Wildbienen dann lokal aus, selbst wenn es reichhaltig blüht und ideale Nistplätze vorhanden sind. 

Laut PETA stehen Wildbienen und Honigbienen mittlerweile in einem Kampf um Nahrung. Durch eine rasante Zunahme an Imkern und der immer größeren Nachfrage nach Honig, erweist sich die Wildbiene als Verliererin. In Hombruch wurden schon erste Wildbienenfutter-Automaten aufgestellt

Insektizide 

Insektizide und Pestizide wurden im Zulassungsverfahren nur auf Honigbienen, jedoch nicht auf Wildbienen getestet. Diese Gifte machen den Wildbienen aber zu schaffen und wirken sich nachweislich auf ihr Nervensystem aus. Als Symptome wurde unter anderem Orientierungslosigkeit verzeichnet, die zu Beeinträchtigungen in Lebensdauer und Fortpflanzung führt. 

The loss of habitat is the foremost cause of declining wild bee numbers. As a result of urbanization, the cordoning off of terrain, and the growth of new streets and building sites, the natural habitat of wild bees has been severely reduced.

Klimawandel

Natürlich stellt auch der Klimawandel im Leben der Wildbienen einiges auf den Kopf. So gibt es heute frühere Blütephasen, längere Wärmeperioden im Winter und plötzliche Temperaturschwankungen. All das sind Faktoren, die den Kreislauf der Bienen durcheinander bringen, an ihren Energievorräten zehren und die Tiere allgemein anfälliger machen. 

Wie kann ich selbst zum Schutz von Wildbienen beitragen? 

Ohne die Biene geht so gut wie gar nichts. 70 % der weltweiten Landwirtschaft ist auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Ohne neue Pflanzen und Blüten wiederum gäbe es auch kein Gemüse, kein Obst, keine Nüsse oder Samen und damit auch weniger Nahrung für uns oder andere Tiere. Deshalb wurde die Biene in einer Sitzung der „Royal Geographical Society“ jetzt offiziell zum wichtigsten Lebewesen auf dem Planeten gekürt.

Der Schutz der Wildbienen sollte also in unser aller Interesse liegen. Wenn das Gleichgewicht in der Natur gegeben ist, ergänzen sich Wildbienen und Honigbienen bei der Bestäubung und tragen somit zum Erhalt der Biodiversität bei. 

Obwohl hier auf der Obstplantage die Bienenwelt auf den ersten Blick in Ordnung scheint, sieht das Zukunftsszenario für die Wildbienen eher kritisch aus. Doch es ist im Grunde kein schwieriges Unterfangen, selbst zum Schutz der Wildbienen beizutragen. Einige folgender Tipps kann ich sogar selbst mühelos befolgen und ich bin mir sicher, dass meine Tochter sogar einen großen Spaß daran haben wird. 

  • Insektenhotels geben Wildbienen einen sicheren Ort zum Nisten. Gerade für Kinder ist es spannend, im eigenen Garten oder auf dem Balkon die Tiere zu beobachten und besser zu verstehen. Somit können auch Ängste gegenüber den oft missverstanden Bienen abgebaut werden. Insektenhotels kann man kaufen, aber auch selber bauen.
  • Bienenfreundliche Blumen pflanzen.  Auf www.wildbiene.org findet man eine vollständige Liste an saisonalen Blüten- und Staudenpflanzen.
  • Wer Obst, Gemüse und Co. möglichst aus saisonal und aus ökologischer regionaler Landwirtschaft kauft, unterstützt Produzenten, die auf bienenschädliche Pestizide verzichten.
  • Bienen finden viel mehr abwechslungsreiche Nahrung, wenn wir auf das Mähen von Wegrändern und Wildblumenwiesen verzichten. Wer seinen Garten ordentlich und kurz geschoren mag, kann zumindest ein paar Blumeninseln stehen lassen.
  • Auf chemische Pflanzenschutz-, Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel sollte unbedingt verzichten. Es gibt genügend biologische Alternativen, um lästige Schädlinge loszuwerden. 
  • Auch beim Honigkauf sollte man auf Regionalität achten und am besten direkt beim Imker kaufen. Der Verzicht auf Honig oder eine Umstellung auf pflanzliche Alternativen können langfristig die Nachfrage und den finanziellen Anreiz der großen Produzenten drosseln.

Einige dieser Tipps werde ich mit meiner Tochter befolgen. Auf ein Insektenhotel bei uns im Garten freut sie sich jetzt schon. Dann summt und schwirrt es eines Tages bei uns hoffentlich auch so schön.