5 Tipps für umweltbewusstes Wandern in den kanadischen Rocky Mountains

Als ich nach Kanada gezogen bin, habe ich meine Leidenschaft für das Wandern in den kanadischen Rocky Mountains entdeckt. Ich liebe dieses Gefühl, hoch oben über den Wolken auf dem Gipfel eines Berges zu stehen. Die Berge der kanadischen Rocky Mountains gehören dabei zu den atemberaubendsten, die ich je erklommen habe. Da dieser großartige Teil der Welt bei so vielen Menschen ein beliebtes Urlaubsziel ist, möchte ich ein paar einfache Tipps geben, wie man seine Wanderungen so umweltfreundlich wie möglich gestalten kann und diesen einzigartigen Ort schonend zu behandeln. Denn die Gletscher der Columbia Icefields schrumpfen, der Lake Louise wird von Menschenmassen umflutet, Müll sammelt sich entlang der Wanderwege, Wanderer reißen Wildblumen aus der Erde oder laufen querfeldein in den Wald. Wenn du in den Rockies wanderst, mach es richtig und trage dazu bei, dass noch viele weitere Generationen von Abenteurern diese Möglichkeit haben. Wandern kann umweltschonend oder umweltschadend sein. Während einer Wanderung trifft man bewusste und weniger bewusste Entscheidungen, die der Natur helfen oder schaden können. In einer so wunderbaren Umgebung wie den Rockies lohnt es sich auf jeden Fall, der Umwelt mit Respekt zu begegnen. 

Die meisten Menschen, die gerne Zeit im Freien verbringen, möchten sicherlich alles richtig machen. Deshalb habe ich einige Tipps und Tricks zusammengestellt, wie man die Rockies so umweltfreundlich wie möglich genießen kann. Diese reichen von der richtigen Wasserflasche bis hin zu alternativen Transportmitteln zur Wanderstrecke und allem, was dazugehört. Unabhängig davon, ob Besucher nur ein paar oder viele dieser Tipps umsetzen können, die Bemühungen werden auf lange Sicht summieren. Niemand muss dabei perfekt sein. Es hilft schon, wenn jeder tut was er kann. Je nachhaltiger wir wandern, desto länger können wir dieses unglaubliche Stück Natur genießen! Hier sind 5 einfache Tipps, um das Wandern in den Rockies so nachhaltig wie möglich zu gestalten. 

1. Auf den Wegen bleiben

Jeder kennt das Zitat “Wege gehen, die noch niemand ging”. Das sollte man nicht tun! Eine der einfachsten Möglichkeiten, die Umwelt beim Wandern zu schonen, besteht darin, die Wanderwege nicht zu verlassen. Dem Drang, den Weg zu verlassen, Abkürzungen durch die Natur zu nehmen oder einen alternativen Weg zu finden, sollte man unbedingt widerstehen. Wanderer, die sich verlaufen oder an einem gefährlichen Ort landen, müssen möglicherweise gerettet werden, was erhebliche Ressourcen kostet und der Umwelt schadet. Auf den Wegen zu bleiben bedeutet nicht nur die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, sich zu verlaufen, sondern man schützt auch die empfindliche Flora entlang der Wege und vermeidet durch das Wandern verursachte Erosion. Bei der Auswahl des Wanderweges sollte man darauf achten, dass er für die entsprechende Jahreszeit geeignet ist und man Pfützen oder Schnee nicht allzu oft ausweichen muss. Jedes Mal, wenn ein Wanderer den Weg verlässt, macht er oder sie ihn etwas breiter. Dabei entsteht ein falscher Wanderweg oder Pflanzen entlang des Weges werden beschädigt. Auch ich habe den Weg bereits aufgrund von Schnee oder Regen verlassen. Jetzt versuche ich jedoch vorab die Wetterbedingungen auf der Website des Parks zu prüfen, um Wanderwege auszuwählen, die sich in einem guten Zustand befinden. 

Wer auf dem Weg bleibt, tragt auch nicht zur Verflechtung von Wanderwegen bei. Das passiert, wenn Wanderer vom vorgegebenen Weg abweichen. So entstehen neue Wege, die vom ursprünglichen abzweigen. Das ist aus mehreren Gründen problematisch. Erstens können so entstandene falsche Wege Wanderer in die Irre führen und somit die Wahrscheinlichkeit einer aufwendigen Rettungsaktion erhöhen.  Ich habe mich einmal auf einer Wanderung zum Ha Ling Peak total verlaufen, weil die Wanderwege so stark miteinander verflochten waren, und musste mir meinen Weg zurück in die Sicherheit bahnen. Glücklicherweise konnte ich mich von der furchteinflößenden Felswand wegbewegen, auf der ich gelandet war. Genau aus diesem Grund ist es so wichtig, auf dem Weg zu bleiben. Zweitens muss die Verflechtung von Wegen häufig mit Methoden behoben werden, die sich nachteilig auf die Pflanzen- und Tierwelt entlang des Wanderweges auswirken. Wenn du auf dem Weg bleibst, müssen die Wege nicht mit hohem Aufwand korrigiert werden. Und was war mit dem Weg, auf dem ich mich verlaufen hatte? Die Verflechtungen mussten aufwendig beseitigt werden. Obwohl ich mich dort oben nicht wieder verlaufen werde, weiß ich, dass das Naturerlebnis auf dieser Wanderung nach diesen Eingriffen nicht mehr das gleiche ist. 

2. Müll wieder mitnehmen

Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon Bierdosen, Lebensmittelverpackungen oder Apfelgehäuse auf Wegen gesehen habe. Einmal habe ich einen ganzen Haufen Dosen auf dem Gipfel des East End of Rundle gefunden. Dort oben gibt es keine Müllabfuhr. Alles, was man mit auf die Wanderung nimmt, muss auch wieder mit zurück, denn Müll auf die Wege zu werfen, schadet nicht nur der Umwelt, sondern ist auch rücksichtslos gegenüber allen anderen Wanderern, die unberührte Natur genießen möchten. Außerdem kann Müll auf den Wegen Bären und andere Wildtiere anlocken. Im schlimmsten Fall wagen sich diese Tiere auf der Suche nach appetitlich duftendem Müll auf die Wanderwege und gewöhnen sich zu sehr an die Anwesenheit der Menschen oder zeigen bedrohliches Verhalten, wenn wir ihnen begegnen. Dann müssen sie weggebracht oder getötet werden. Es heißt nicht ohne Grund „Ein gefütterter Bär ist ein toter Bär“. 

Außerdem können Essensreste und Abfälle für Tiere gefährlich, sogar tödlich sein. Wildtiere sind ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems im Gebirge. Wenn wir ihre natürliche Nahrungsauswahl durcheinanderbringen, kann sich ihr Platz in der Nahrungskette ändern. Wie oft habe ich schon Vögel in Lebensmittelverpackungen picken sehen. Ich bin mir sicher, ein neugieriger Bär würde ein weggeworfenes Sandwich ganz genau untersuchen. Wer seine Verpackungen oder Dosen nicht direkt in den Rucksack packen möchte, nimmt einen kleinen biologisch abbaubaren Beutel mit. Wenn ich beim Einkaufen vergesse, meine eigene Einkaufstüte mitzunehmen (ja, das kann jedem mal passieren), nehme ich die wiederverwendbare Tüte aus dem Laden als Müllbeutel für meine Wandertouren. 

Verursachten Müll sollte man auf Wanderungen wieder mitnehmen. Zum Beispiel im RE WASTY wiederverwendbaren Müllsack.

3. Nachhaltige Ausrüstung

Obwohl es nicht selbstverständlich ist, dass jeder das nötige Kleingeld hat, um sich sein Equipment aussuchen zu können, sollte jeder, der kann, umweltfreundliche Ausrüstung kaufen. Das reicht von kleinen Dingen wie der wiederverwendbaren Wasserflasche zur Verringerung von Wegwerfartikeln aus Plastik bis hin zu größeren Kaufentscheidungen wie der Auswahl von Marken, die verantwortungsvoll bei der Produktion von Kleidung handeln, wie beispielsweise JACK WOLFSKIN. 

Eine andere Möglichkeit, um bei der Auswahl der Ausrüstung nachhaltiger zu sein, besteht darin langlebige oder gebrauchte Sachen zu kaufen. Wer es sich leisten kann, sollte ein Paar Stiefel oder einen Rucksack wählen, die länger halten. Wenn das keine Option ist, kann man Ausrüstung auch in Secondhand-Läden finden. Viele Hersteller bieten auch einen Reparaturservice an. Ich besitze eine gebrauchte Fleecejacke, die schon eine Menge mitgemacht hat. Mein Vater hat beim Angeln ein Loch hineingerissen, sie ist bei einem Lagerfeuer in Brand geraten, und dann bin ich auch noch einen Geröllhang hinuntergefallen (aber das ist eine andere Geschichte), wodurch einige große Löcher am Rücken und an den Ellbogen entstanden sind. Der Hersteller war so freundlich, die Fleecejacke zu flicken, damit ich sie weiterhin beim Wandern tragen kann.

4. Umweltfreundlich zum Wanderweg

Wer nicht das Glück hat, einen Wanderweg direkt vor der Haustür zu haben, braucht wahrscheinlich ein Transportmittel, um zu einem Trail zu kommen. Die nachhaltigsten Wanderwege sind die, für die wir uns nicht weit fortbewegen müssen. Wer kann, verschiebe weiter entferne Wanderungen auf Tage, an denen sich eine Fahrgemeinschaft bilden lässt oder an denen öffentliche Verkehrsmittel fahren. Meine Schwägerin wandert unheimlich gerne. Deshalb fragen wir immer so viele Freunde wie möglich, um ihren Hybrid-SUV zu füllen. Jeder kann seinen Ausflug zur gleichen Zeit machen und wir brauchen nur ein Fahrzeug.

Fahrgemeinschaften mit anderen Wanderern sind eine großartige Möglichkeit, nachhaltiger zu wandern! Wer wenige Outdoor-Fans in seinem Freundeskreis hat, kann sich einer lokalen Wandergruppe anschließen. Diese Gruppen fahren häufig zusammen zum Ziel. Aber aus mit dem Fahrrad kann man zu Ausgangspunkten gelangen. Manchmal bilde ich mit einem Freund für einen Teil der Strecke eine Fahrgemeinschaft. Für den Rest der Strecke steigen wir auf unsere Fahrräder um, wenn die Straße es zulässt. Das ist eine schöne Möglichkeit, nach einer Wanderung die Beine zu bewegen und die Bergluft noch etwas länger zu genießen. Wenn ich bereits in Lake Louise bin, nehme ich das Fahrrad, um den gefürchteten Parkplatz am Moraine Lake zu erreichen (der immer überlastet ist). Dann kann ich das Auto zu Hause stehen lassen und ein anderer findet noch einen Platz im Shuttle. Großstädte in der Nähe der kanadischen Rockies bieten Shuttles oder Busse in die Berge an. Diese sind für auswärtige Besucher gedacht und können genauso von einheimischen Wanderern genutzt werden.

5. Unterstützung für örtliche Parks

Nationalparks wie etwa der atemberaubende Banff verdanken ihren makellosen Zustand den örtlichen Verwaltungen, die sie unterhalten. Wer also möchte, dass sein oder ihr Lieblingspark weiterhin gut erhalten bleibt, sollte spenden oder sich anderweitig engagieren, etwa bei ehrenamtlichen Projekten mit anpacken oder and Umfragen teilnehmen.

Hinter den Kulissen arbeiten viele Menschen, um unsere Wanderwege so lange wie möglich zu erhalten. Wenn man ein Ticket kauft, für den Naturschutz spendet, sich freiwillig engagiert und alle offiziellen Anweisungen befolgt, kann jeder seinen persönlichen Beitrag leisten. Ich unterhalte mich gerne mit Parkmitarbeitern, wenn ich sie auf den Wegen sehe, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren. Viele erzählen gerne davon. Ich war letztes Jahr auf dem Tent Ridge im wunderschönen Kananaskis, als ich auf einen Parkangestellten traf, der Baumstämme und Äste entlang des Weges platzierte. Wir unterhielten uns und er sagte mir, dass eine sorgfältige Anordnung des Holzes dazu beitragen könne, den Wasserabfluss zu lenken, und somit verhindere, dass der Weg überflutet wird. Dadurch sei es für Wanderer einfacher, auf dem Weg zu bleiben und die Pflanzenwelt in diesem Gebiet zu schützen.

Das waren nun 5 einfache Tipps für umweltbewusstes Wandern, die jeder einfach befolgen kann. Doch was macht man, wenn man umweltschädliches Verhalten bei anderen beobachtet? Natürlich ist niemand dazu verpflichtet, andere zu belehren. Allerdings habe ich festgestellt, dass der beste Weg, jemanden auf sein Verhalten hinzuweisen, darin besteht, einen Vertrauensvorschuss zu geben. Etwa „Entschuldigung, du hast deine Verpackung hier vergessen!“ kann einen großen Beitrag dazu leisten, anderen zu zeigen, wie man sich umweltfreundlich auf Wanderwegen verhält. In den kanadischen Rockies sind die Wanderer größtenteils freundlich und offen. Keiner von uns ist von Anfang an perfekt, aber wir lernen, indem wir andere dabei beobachten, wie sie mit gutem Beispiel vorangehen.