Tiny Houses sind nicht die Zukunft des Wohnens – aber sie können uns lehren, dass man viel weniger braucht, als man denkt

Als ich vor etwa 15 Jahren zum ersten Mal auf einem Architektur-Blog auf das Tiny House Movement stieß, konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich die Idee entzückend oder beklemmend finden sollte. In dem Post hieß es, dass eine neue Generation von Minimalisten darauf aus ist, einen bescheidenen und ressourcenschonenden Lebensstil zu führen, der auch noch ziemlich jedermanns Kindheitstraum verkörpere: Ein bezauberndes Spielhaus mit Hochbett. Ich fragte mich, ob das Leben in einer Spielzeugversion eines „echten“ Hauses wirklich eine langfristige Lifestyle-Entscheidung eines Erwachsenen sein konnte? Wie komfortabel lebt man auf 37 Quadratmetern ohne Waschmaschine und Badewanne und gerade mal genug Stauraum, um Sachen im Volumen eines Handgepäckkoffers zu verstauen?

Ironischerweise lebte ich zu dieser Zeit in Manhattan genau so, ich hatte es nur nie in Frage gestellt. Genau wie alle anderen dort, die keine Multimillionäre sind, lebte ich quasi in einem Schuhkarton. Meine Schlafzimmertür öffnete sich nur zu einem Drittel, weil ich die verrückte Idee hatte, dort ein Bett hineinzustellen. Der nie versiegende Strom von Übernachtungsgästen kampierte auf dem Wohnzimmerboden (schließlich hat niemand Lust, mehrere hundert Dollar pro Nacht für ein Hotelzimmer auszugeben, wenn er einen Freund mit einer Wohnung hat, der nicht nein sagen kann). Morgens musste ich über schlafende Körper klettern, um aus der Tür zu kommen. Eine Freundin von mir schlief im Eingangsbereich ihrer Wohngemeinschaft; ihr Bett war bloß durch einen Vorhang abgeschirmt. Wir haben das nie in Frage gestellt, schließlich ist das Manhattan. Und was das betrifft, ist es im Grunde in jeder anderen dicht besiedelten Stadt auf dieser Welt nicht anders.

Der Mensch war schon immer in der Lage, sich schnell an seine Umwelt anzupassen. Vielleicht ist das die Erklärung, warum das Verkleinern so groß geworden ist. Inzwischen scheint die Idee, sich für ein einfacheres Leben, eine kleinere Wohnfläche und folglich weniger Zeug zu entscheiden, nicht mehr so abwegig zu sein. Sich zu verkleinern ist im Mainstream angekommen. Jeder, der schon einmal die KonMarie Methode angewendet hat, weiß, wie viel Freude sie entfacht. Leider sind diese bezaubernden Tiny Homes, die zum markantesten Symbol der Verkleinerungsbewegung geworden sind, nicht die Zukunft des Wohnens, so die Journalistin Arielle Milkman

Gründe für den Mangel an erschwinglichem Wohnraum sind nicht die Baukosten, sondern die steigenden Immobilienpreise. Das Letzte, was man auf einem Millionen-Dollar-Parkplatz in Hongkong bauen wird, ist ein Tiny House, wenn dafür 30 kosteneffiziente Mikro-Wohnungen übereinander gestapelt werden können.

Die hohen Grundstückspreise und das Flächennutzungsrecht sind der Grund dafür, dass wir Tiny Houses häufiger in Bildbänden und auf Instagram als im wirklichen Leben sehen.

Tiny Houses sind vielleicht nicht die Lösung unserer zukünftigen Wohnungsprobleme. Dennoch können sie zu einem bescheideneren Lebensstil verführen, weil immer mehr Menschen bereit sind, sie auszuprobieren – wenn auch nur einen Urlaub lang. Kleine Unterkünfte erfreuen sich bei Reisenden immer größerer Beliebtheit.

Im Jahr 2019 verzeichnete Airbnb einen 125-prozentigen Anstieg der Buchungen für Tiny Houses.

Kein Wunder, viele Tiny Houses fallen durch ihr smartes Design auf, das selbst aus dem kleinsten Raum das Maximum an Funktion rausholt. Aufgrund ihrer geringen Größe befinden sie sich oft in wunderschönen Naturlandschaften, in denen „echte“ Häuser nicht gebaut werden dürfen. Wir empfehlen daher jedem dringend, sich den Bilderbuch-Kindheitstraum zu erfüllen und in einem Baumhaus, einem Hochbett oder einem Tipi zu schlafen!

Hier ist eine Auswahl von Tiny Houses, die wir gerne in unserem nächsten Urlaub ausprobieren würden: