Stand Up Paddling im Winter

Warum du vor allem in der kalten Jahreszeit SUP probieren solltest und was es auf eisigen Gewässern alles zu beachten gibt.

Es ist die Ruhe. Da sind sich die Fans vom Winter-Stand-Up-Paddeln einig. Wenn dann auch noch ein leichter Schneefall die Welt in Watte hüllt und die Akustik auf Raumniveau dämpft, entsteht eine beinahe besinnliche Stimmung – die allerdings nicht über die besonderen Erfordernisse und auch Gefahren des SUPens in der kalten Jahreshälfte hinwegtäuschen darf. Was die Wintervariante der angesagten Sportart für uns bereit hält und was es auf eisigen Gewässern alles zu beachten gilt, hat uns Profi SUPer John Meissner von SUP Trip erklärt. 

the outdoors sup winter lake

Stand Up Paddling erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit durch alle Altersgruppen. Es lässt sich hervorragend den individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen anpassen und erfordert kein hohes Fitness-Level. Außerdem macht es irre viel Spaß und die Bewegung an der frischen Luft tut einfach gut. Kein Wunder also, dass viele auch im Winter nicht mehr aufs SUPen verzichten wollen. Wie sich dieses Vorhaben umsetzen lässt, erklärt uns John Meissner. Der Personal Trainer, Multisportler und erfahrene Stand Up Paddle Trainer bei SUP Trip, der SUP-Schule im Potsdamer Yachthafen, steht seit 2014 regelmäßig auf dem Paddleboard. 

Was ist das Besondere am Winter-SUPen? 

Die Besonderheit liegt vor allem in der Ruhe. Üblicherweise hat man durch den Boots- und Schiffsverkehr, bei uns an der Havel aber auch auf den meisten anderen größeren Gewässern, Kanälen und Seen, viel Bewegung. Das bleibt im Winter quasi aus: keine Schiffe, keine Boote, keine Wellen. Meistens hat man das Wasser komplett für sich alleine und hört nicht einmal Vogelgezwitscher – und das ist schon unglaublich reizvoll. Man kann sich noch besser auf sich konzentrieren und die Balance halten.

lake coast woman sup

SUPen ist ohnehin ein sehr meditativer Sport: die sanften, immer gleichen Bewegungen im fließenden Rhythmus, dann die Verbindung mit dem Element Wasser – oder wie siehst du das?

Die Frage ist immer, wie sportlich man unterwegs sein will. Man kann sich nach der Arbeit sehr gut auf dem Wasser entspannen und ein bisschen runterkommen. Oder aber sich mit einem Trainingsanspruch auspowern. Das reguliert sich über das Tempo, und diesem passt man wiederum seine Ausrüstung an, zum Beispiel das Board. Hier gibt es natürlich welche, mit denen man langsamer oder schneller unterwegs sein kann. 

Man hat es also selbst in der Hand und kann diesen Sport seinen Bedürfnissen und seiner Stimmung anpassen?

Ja, das klappt wunderbar. SUPen eignet sich hervorragend zum körperlichen Training aber auch zum meditativen Runterkommen. Oder auch als geselliges Naturerlebnis in der Gruppe, im Sommer wie im Winter.

Im Sommer oder generell bei Sonne sollte man auf dem Wasser an ausreichend Sonnenschutz denken, was gibt es im Winter zu beachten?

Zunächst sollte das Gewässer weitgehend eisfrei sein, sonst beschädigt man sein Bord und sein Paddel. Und wenn man sich erst durch gefrorene Schichten kämpfen muss, macht es auch fahrtechnisch keinen Spaß, man kommt einfach nicht gut vorwärts. 

lake woman the outdoors sup

Brauche ich ein spezielles SUP-Board im Winter?

Grundsätzlich nicht. Wenn du dir aber ein richtig gutes, teures Board zugelegt hast und die Gefahr besteht, dass Eisschichten im Wasser sind, solltest du dir überlegen, ob du auf ein robusteres, einfacheres umsteigst. Es gibt robuste Hard Boards aus Plastik, die verzeihen eine ganze Menge. Aber auch gute Inflatables (aufblasbare Boards) können grundsätzlich dünne Eisschichten durchbrechen. Nur Schaden nehmen sollte dein Board nicht. 

Und welche Kleidung sollte ich tragen?

Es fängt mit der Unterbekleidung an. Wir tragen in der Regel Funktions- oder Ski-Unterwäsche, Neopren-Socken oder Schuhe und on top einen sogenannten Trockenanzug. Der ist ab Herbst, wenn die Temperaturen sinken, essenziell. Hier ist auch keine Neopren-Kleidung angebracht, die sich vor allem für den Sport im Wasser und nicht auf dem Wasser eignet. Ein Trockenanzug dagegen funktioniert wie eine dichte Regenjacke und hält Wasser zuverlässig vom Körper fern. Die Manschetten beziehungsweise Neopren- oder Silikonabschlüsse an Armen, Beinen und Hals sorgen dafür, dass auch hier kein Wasser eindringt, wenn man doch mal reinfällt. 

Bist du bei Eiseskälte schon mal reingefallen?

Nein, nicht unbeabsichtigt. Aber darauf sollte man natürlich vorbereitet sein. Deshalb ist SUPen im Winter auch nicht unbedingt für Anfänger geeignet. Besser ist es, seine Skills im Sommer soweit zu verbessern, dass man sich einigermaßen sicher fühlt. 

Winterlandschaft mit Berg und See

Was sollte man noch beachten, wenn man sich im Winter aufs Board begibt?

Alleine SUPen ist ohnehin langweilig. Gerade im Winter sollte man lieber zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs sein, damit man sich gegenseitig helfen kann, wenn doch mal jemand im Wasser landet. Unter Umständen empfiehlt es sich auch in Ufernähe zu Paddeln, wenn man unsicher ist zum Beispiel. Und grundsätzlich ist eine Leash, eine Leine zwischen Fuß und Board, essentiell wichtig.

Die hab ich im Sommer nie benutzt…

Je nachdem wo du paddelst, ist es auch im Sommer wirklich empfehlenswert. Auf kleineren Seen ist die Gefahr vielleicht nicht so groß, aber auf bewegtem oder fließendem Gewässer und im Winter auf jeden Fall. Wenn das Board beim Fall ins Wasser einen Schubs bekommen hat, muss man erst einmal hinterherkommen. Das ist bei kleinen Wellen, einer Strömung aber vor allem bei Kälte ganz schön anstrengend.

winter lake landscape sup

Danke für die vielen Tipps, liebes SUP Trip-Team! Hier noch einmal das Wichtigste zum Winter-SUPen zusammengefasst:

  • Trainiere im Sommer deine SUP-Skills und starte nicht als Anfänger im Winter
  • Wärme dich vor dem SUP-Trip ordentlich auf, im Winter kühlt der Körper schneller aus
  • Bewege dich lieber in Ufernähe und überquere vor allem keine größeren, unbekannten Gewässer, erst recht nicht alleine 
  • Begebe dich lieber in Gesellschaft, wenigstens aber zu zweit aufs Wasser oder buche einen SUP Trip in Gesellschaft
  • Befestige eine Leash (Leine) zwischen deinem Fußgelenk und deinem Board, damit es dir nicht abhanden kommt
  • Nimm dein Handy in einer wasserdichten Hülle mit
  • Lade auch die App der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) auf dein Handy, hier kann man das Sport-  bzw. Fahrgerät eingeben und weitere Daten hinterlegen und im Notfall schnell einen Notruf abgeben
  • Wähle Kleidung in Signalfarben
  • Die neongelbe Restube funktioniert im Notfall wie eine Mini-Boje mit Pfeife, verleiht zusätzlich Auftrieb und Sichtbarkeit 
  • Gehe nicht bei starkem Wind, Schneefall, Regen oder Nebel aufs Wasser
  • Beachte Naturschutzgebiete und Ruhezonen für Vögel

SUP Trip bietet SUPen für Leute, die bereits ein wenig Paddel-Erfahrung haben, natürlich auch im Winter an. Beliebte Termine sind zum Beispiel das Advents- oder Neujahrs-Paddeln. Die Ausrüstung inklusive Trockenanzug bekommt man hier natürlich auch.