Zu Hause bleiben mit Kindern

Zu Hause zu bleiben ist leichter gesagt als getan – vor allem wenn man ein Kind ist, das gewohnt ist mit einer Horde von Freunden draußen zu sein. Der Sohn unserer Autorin hilft die Kurve flach zu halten und baut sich im Garten seine eigene Bikerampe.

Normalerweise…

Unzählige Male ist uns hier dieses Wort in den letzten Wochen rausgerutscht. „Normalerweise würde ich mich heute mit Lotta treffen!“, „Normalerweise hätte ich heute Pilates“, „Normalerweise würde ich bei dem Wetter mit Freunden wandern gehen“. Normal ist ja aber momentan eher die Ausnahme. Nicht ganz einfach für eine Horde Kinder, die es gewohnt sind, bei Wind und Wetter mit ihren Freunden draußen zu sein.

Normalerweise, da ist es schon wieder, träfe Mio sich mindestens drei Mal die Woche zum Mountainbiken mit seinem besten Freund Paul und anderen Jungs. Stattdessen muss sich unser Sohn jetzt die meiste Zeit auf einen kleinen Radius beschränken – unser Grundstück. Und das, obwohl es im Wald direkt hinter unserem Haus unterhalb der Burg Frankenstein die coolsten Trails und im Nachbarort einen geniale Dirtbikeschanzen gibt. Normalerweise würde Mio motzen, wenn er so in seiner Freiheit eingeschränkt wird wie jetzt, aber auch bei Kindern ist ja der Ernst der Lage angekommen. Und weil auch ihre Freunde sich an die Regeln halten, gibt es jetzt eben auch angenehme Abweichungen von der Norm: Verständnis für das, was eben gerade jeder von uns verstehen muss.

Building a bike ramp

Was nicht heißt, dass das Rad stehen bleibt. Mio hat sich heute unterm Baumhaus, im Schuppen, in der Garage und aus dem Werkzeugraum alles zusammengesucht, was er braucht, um eine kleine Bikerampe zu bauen: Mehre Vierkanthölzer, die er entsprechend zurecht sägen musste, ein stabiles Brett, Schrauben, Akkubohrer. Einen ganzen Vormittag war er am skizzieren und werkeln. Dann stand da wirklich eine solide Rampe, über die er jetzt waghalsige Sprünge hinlegt. Die Nachbarn haben ihn von der Straße aus schon angefeuert – ob er vielleicht bald auch übers Tor springen könne? „Und ich dachte schon, die wollen sich über den Lärm beschweren.“, gibt Mio zu.

Normalerweise wäre das vielleicht passiert, aber momentan freuen wir uns alle über Lebensfreude, auch wenn sie sich in hämmern, sägen, Bremsgeräuschen und Jubelschreien äußert. Am Nachmittag trägt Mio dann seine Rampe in den Garten, der eigentlich ein einziger Hang ist. Ich höre ihn immer wieder jubeln, und ich glaube das ganze Dorf nimmt Anteil. Bis es still wird und mein Mutterhirn rattert: Also wenn ich eins jetzt gerade nicht erleben will, dann ist es ein Krankenhaus von Innen. „Alles ok?“, will ich wissen, als Mio sein Rad für die Nacht parkt. „Ja klar. Bin nur gerade fast in den Teich gefallen. Aber morgen springe ich drüber!“. Normalerweise würde ich jetzt … aber normalerweise gibt es ja gerade nicht.