Nordsee – Südsee

Hallig Langeness in der Nordsee und Samoa und Tokelau in der Südsee könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch alle drei Inseln sehen sich mit derselben Bedrohung durch den Klimawandel konfrontiert.

Während man diesen Film schaut, breitet sich eine Schwere im Körper aus, die sich nicht so schnell abschütteln lässt. Es ist wie mit dem Klimawandel. Hat man einmal den Ernst der Lage erkannt, gibt es kein Zurück mehr und die Auswirkungen unseres Handelns sind unübersehbar. Diese Folgen werden in der preisgekrönten Kurzreportage „From North to South“ mithilfe atemberaubender Bilder und emotionaler Interviews in die Welt getragen und brennen sich ins Gedächtnis.

Von der Nordsee in die Südsee

„From North to South“ erzählt die Geschichte von drei kleinen Inselnationen in der Nordsee und dem Südpazifik, welche zu den geringsten CO2-Produzenten und doch zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Orten der Welt gehören. Sie befinden sich auf demselben Längengrad und teilen den starken Willen, weiterhin existieren zu wollen.  

Die preisgekrönte Kurzreportage „From North to South“ zeigt mithilfe atemberaubender Bilder die Folgen des Klimawandels im Südpazifik
Tokelau besteht aus drei winzigen Atollen im Südpazifik / Foto von Manolo Ty, Klimahaus Bremerhaven

Hallig Langeness in der deutschen Nordsee liegt drei Tage Anreise von den Inseln Samoas und den Atollringen Tokelaus im Südpazifik entfernt. Das Leben auf den kleinen Flecken Land inmitten der See könnte nicht unterschiedlicher sein. Und trotzdem stehen die Menschen vor den gleichen Herausforderungen. Der Klimawandel hinterlässt seine Spuren durch Meeresspiegelanstieg, Ozeanversauerung und Erderwärmung. Er bedroht das Land, das Menschen seit Generationen ihre Heimat nennen, und für das sie kämpfen – mit unterschiedlichen Mitteln und unterschiedlichen Voraussetzungen, aber in der Hoffnung, dass auch die kommenden Generationen noch dort werden leben können. 

Die preisgekrönte Kurzreportage „From North to South“ zeigt mithilfe atemberaubender Bilder die Folgen des Klimawandels im Südpazifik
Kinder spielen im Wasser auf Samoa / Foto von Manolo Ty, Klimahaus Bremerhaven

Künstler und Filmemacher Alessandro Rovere machte sich auf, um die drei Orte Langeness, Samoa und das kleine Pazifikarchipel „Tokelau“ zu erkunden. Die entstandene Kurzdoku wurde mit zahlreichen Auszeichnungen auf internationalen Festivals prämiert und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. 

Langeness –  Immer extremere Wetterveränderungen

Um sich für ein Leben auf der Hallig Langeness in der Nordsee zu entscheiden, bedarf es echter Leidenschaft für Abgeschiedenheit, ein­ma­li­ge Na­tur­land­schaft und eine spürbare Ruhe. Doch auch vor dem schönsten und abgelegensten Fleck der Welt macht der Klimawandel nicht Halt. Ist es in einem Moment noch windstill, muss man im nächsten Moment alles in Sicherheit bringen, weil ein Sturm droht. 

TDie preisgekrönte Kurzreportage „From North to South“ zeigt mithilfe atemberaubender Bilder die Folgen des Klimawandels im Südpazifik
Foto von Manolo Ty, Klimahaus Bremerhaven

„Es ist schon auffällig, dass sich das Wetter verändert. Dass die Stürme heftiger werden und die Sommer trockener, dass die Wetterumschwünge viel extremer sind.“

– Virginia Karau

Wie es für folgende Generationen weitergehen soll, ist unklar. Aufklärung hilft, um selbst die jüngsten Hallig-Bewohner:innen für die Probleme zu sensibilisieren. Dass künftige Generationen aufgrund der Folgen des Klimawandels nicht mehr auf der Hallig leben könnten, ist für die Gemeinschaft besorgniserregend und fast unerträglich, wenn man bedenkt, dass die Menschheit diese Schäden selbst verursacht hat.

„Man profitiert, wenn man versteht, dass man gegen die Natur nicht ankommt. Sie ist immer Sieger.“

– Frerk Johannsen
Die preisgekrönte Kurzreportage „From North to South“ zeigt mithilfe atemberaubender Bilder die Folgen des Klimawandels im Südpazifik
Foto von Manolo Ty, Klimahaus Bremerhaven

Samoa – Mangroven gegen die verheerenden Fluten

Während sich die Gemeinschaft der Hallig der Bedrohung des Meeres schon immer bewusst war und sich mit massiver Küstenschutzinfrastruktur und auf Warften gebauten Häusern das Wasser fern hält, werden in Samoa, einer Insel im Südpazifik, nach Extremwetterereignissen ganze Dörfer in höhere Lagen umgesiedelt. 

„Wir müssen alle gemeinsam kämpfen, um Veränderungen vornehmen zu können.“

– Togialelei Tavita Faletoese
Die preisgekrönte Kurzreportage „From North to South“ zeigt mithilfe atemberaubender Bilder die Folgen des Klimawandels im Südpazifik
Eine überflutete Straße auf Hallig Langeness / Foto von Manolo Ty, Klimahaus Bremerhaven

Deshalb gründete Umweltschützer Togialelei Tavita Faletoese eine Farm, um die jungen Inselbewohner:innen an einem Ort zu vereinen. Gemeinsam lernen, bauen und verkaufen sie. Es ist, als würden sie Mutter Natur eine helfende Hand geben. Als weitere Schutzmaßnahme pflanzen die Inselbewohner:innen Mangrovenbäume an, die dort am besten gedeihen, wo die Lebensbedingungen für gewöhnliche Baumarten tödlich sind: unter starker Sonneneinstrahlung, mit den Wurzeln im Schlamm und häufig überschwemmt von salzigem Meerwasser. Sie säumen die Küsten Samoas und halten verheerende Fluten ab. 

Bei einem anstehenden Tsunami wird das gesamte Dorf ans andere Ende der Insel zum hellblauen Schulgebäude befördert, denn hier ist der höchste und damit sicherste Punkt. Die Einwohner:innen lieben ihre Heimat, doch die Sorge, wie es in Zukunft weitergehen soll, ist ein täglicher Begleiter.

The award-winning short documentary From North to South conveys the ramifications of climate change to the world with the help of breathtaking images
Auf Tokelau sind Überflutungen eine ständige Bedrohung / Foto von Manolo Ty, Klimahaus Bremerhaven

Tokelau – Diskussionen über Umsiedlung

Keine dieser Möglichkeiten steht den Bewohnern Tokelaus im Südpazifik offen. Auf nur 12,2 km² Gesamtfläche, hunderte von Kilometern von der nächsten Landmasse entfernt, suchen sie nach Möglichkeiten, ihre Atolle vor der Kraft des Meeres zu schützen, die Versalzung ihrer Böden und das Sterben der Korallenriffe zu verhindern und Zyklone besser zu überstehen.

„Die Wetterverhältnisse verändern sich, der Meeresspiegel steigt. Dies hat unsere Agrarkultur sehr stark beeinträchtigt.“

– Faipule Fakaofo Mose Pelasio

Junge Bewohner:innen verlassen die Insel, denn das zur Verfügung stehende Budget kann nicht in neue Gebäude oder Wirtschaft investiert werden, sondern dient einzig und allein dem Schutz des Atolls vor Naturkatastrophen.

Die preisgekrönte Kurzreportage „From North to South“ zeigt mithilfe atemberaubender Bilder die Folgen des Klimawandels im Südpazifik
Die Lorenbahn verbindet die Hallig Langeness mit dem Festland / Foto von Manolo Ty, Klimahaus Bremerhaven

Wir müssen der Erde etwas zurückgeben

Alessandro Rovere hatte eine Mission – er wollte herausfinden, wie sich das Leben der Menschen vor Ort unter dem Einfluss des Klimawandels verändert hatte und dokumentierte Gemeinsamkeiten und Zukunftsängste, an den unterschiedlichsten Enden der Welt. Das Schicksal dieser drei kleinen Nationen spiegelt eindrücklich das Schicksal der ganzen Menschheit wider.

„Du kannst nichts falsch machen, wenn du dich um die Natur kümmerst. Kümmerst du dich um sie, wird sie sich auch um dich kümmern.“

– Togialelei Tavita Faletoese


Mehr zum Thema entdeckt man in der bildgewaltigen Dokumentation „Nordsee-Südsee. Zwei Welten im Wandel“ von Jana Steingässer und Manolo Ty. Das Buch wurde auf der ITB gerade als Leseempfehlung zum Thema „Die besten Publikationen zum Thema Sustainable Responsibility“ vorgestellt.