Tempel der Meditation

Das Meditation House vom Wellnesshotel Kranzbach schafft eine innige Verschmelzung von Natur und Gebäude, die Menschen berührt. Ermöglicht wurde dieser magische Ort durch die unwahrscheinliche Zusammenarbeit eines bayerischen Hoteliers mit dem japanischen Architekturtalent Kengo Kuma.

Schon der Weg vom Kranzbach zum dazugehörigen Pavillon hat etwas meditatives. Rund 200 Meter geht es über einen schmalen Trampelpfad mitten durch den Wald zu einer kleinen Lichtung. Und dann das: Umgeben von Fichten und Buchen, Moos und Farnen steht eines der wahrscheinlich verstecktesten Stückchen Ausnahmearchitektur Deutschlands – das Meditation House von Weltarchitekt Kengo Kuma.

„Auf der Windseite geschlossen, öffnet sich der Pavillon durch Panoramascheiben nach drei Seiten in Richtung Wald. Die westseitige Fensterfront kann großflächig geöffnet werden“, erklärt Kranzbach-Chef Jakob Edinger. Grüne Vegetation also wohin der Blick auch fällt. Teilweise stehen die Bäume so nah am Gebäude, dass man sich fragt, wie es ohne größere Rodungen überhaupt entstehen konnte. Wer hier meditiert, profitiert von gleich mehreren Faktoren: der Nähe zur Natur, der zenhaften Stimmung des Raumes und dem Duft von Holz.

„Von der hinteren Wand ausgehend verschränken sich 1.550 handbearbeitete Schindeln aus heimischer Weißtanne zu einem geometrischen Muster. Wie eine dreidimensionale Skulptur steigt es zunächst vertikal nach oben und breitet sich dann horizontal über die Decke des gesamten Raums aus“, so Edinger. Das Dach darüber wurde mit Zinkblech gedeckt, wie man es oft bei Kirchen sieht. Kein Wunder also, dass er über sein Meditation House als „Tempel“ spricht.

© Hotel Kranzbach GmbH/David Schreyer

So bemerkenswert wie das Erlebnis im Meditation House ist auch seine Entstehungsgeschichte. Als Edinger für das Kranzbach über einen Pavillon im Wald zur Meditation nachdachte, kam sein Sohn – selbst Architekt – mit der entscheidenden Eingebung. Um den asiatischen Wurzeln der Meditation gerecht zu werden, wäre es doch passend, einen Architekten aus dem fernöstlichen Kulturkreis zu engagieren. Am besten einen aus Japan, weil Bauen mit Holz dort eine jahrhundertelange Tradition hat. Schnell fiel der Name Kengo Kuma. Das einzige Problem: Der ist einer der namhaftesten Baumeister seines Landes und übernimmt schon mal Großprojekte wie das Olympiastadion in Tokio.

Wie also gewinnt man einen der ganz großen japanischen Architekten für eine 150 Quadratmeter große Hütte in einem Waldstück in Bayern? Die Edingers probierten es klassisch: „Wir haben uns einfach hingesetzt und einen persönlichen Brief geschrieben. Wir ließen ihn ins Japanische übersetzen und schickten ihn los.“ Die Antwort war zunächst weder Zu- noch Absage. Herr Kuma übernimmt grundsätzlich keine Projekte, ohne das Grundstück persönlich gesehen zu haben, schrieb das Büro zurück. Während seines nächsten Europabesuchs organisierte das Kranzbach also einen Abstecher nach Deutschland und der Hotelier holte den Japaner am Flughafen München ab.

© Hotel Kranzbach GmbH/David Schreyer

„Die Fahrt war eine eher schweigsame Reise. Kengo Kuma hat die Gegend auf sich wirken lassen und sehr wenig gesprochen, was in der japanischen Kultur aber nicht als Unhöflichkeit gilt“, so Edinger. Im Örtchen Klais im Werdenfelser Land bei Garmisch-Partenkirchen angekommen, wollte Kuma sofort in den Wald. Er schaute in die Baumwipfel, beobachtete die Sonne und den Wind und sagte nach zwei Stunden an der kleinen Lichtung schließlich: „Das hier ist die Stelle. Wir bauen es hier!“

Der Architekt reiste ab, legte ein Honorarangebot vor, Edinger willigte ein, wählte einen von zwei Entwürfen aus – und die Arbeit konnte beginnen. STUDiO LOiS aus Innsbruck realisierte den Entwurf als „local Architects“ vor Ort in Zusammenarbeit mit kleinen, familiär geführten Handwerksbetrieben der Umgebung. Mit wieviel Respekt vor der Natur der Bau entstand, verrät schon allein dieses Detail: Die Waldarbeiten übernahm statt schwerem Gerät der Land- und Forstwirt Josef Neuner mit seinem Pferd.

© Hotel Kranzbach GmbH/David Schreyer

Seit September 2018 ist das Meditation House nun in Betrieb. Täglich finden hier Gruppenmeditationen statt, die Gäste können das Haus aber auch für einige Stunden allein für sich haben. Und was macht dieser magische Ort mit seinen Besuchern? „Wir erleben hier die unterschiedlichsten Reaktionen. Menschen, die dafür empfänglich sind, tut das Haus sehr gut“, sagt Edinger. Manche Gäste wirken nach einem eineinhalbstündigen Aufenthalt bei der anschließenden Tee-Zeremonie geradezu entrückt. Andere brechen gar in Tränen aus, weil sie auf das Erlebte nicht vorbereitet waren.

Die Vision des Architekten ist damit aufgegangen. Nicht die Größe eines Projektes reizt ihn, sondern die intellektuelle Herausforderung und die inhaltliche Stärke. Er möchte Menschen mit einem Gebäude innerlich bewegen. Mit dem Meditation House ist diese Mission ganz sicher geglückt.