Gute Nachrichten für den Planeten

Seit einiger Zeit scheint es, als gäbe es nur noch schlechte Nachrichten. Wo man hinsieht: Katastrophen und Probleme. Dass Krisen unsere unmittelbare Aufmerksamkeit verdient haben, steht außer Frage – sie rufen uns zur Solidarität und zum Handeln auf. Doch ständiges ‚Doomscrolling‘ ist nicht hilfreich und kann die Seele zermürben. Deshalb darf man ab und zu seinen Fokus auf positive Dinge richten. Denn ja, es gibt sie noch, die guten Nachrichten – man muss nur etwas suchen. Hier kommen drei Meldungen, die uns für die Zukunft hoffnungsvoll stimmen. 

smog and pollution from industry

1. Katzenstreu kann Methangas aus der Atmosphäre binden

Forschende an der angesehenen amerikanischen Universität Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben eine Methode gefunden, Methangas zu binden – noch dazu „dirt cheap“, also so günstig wie Dreck. 

Methan (CH4) ist für unser Klima 80-mal schädlicher als Kohlenstoffdioxid. Die Konzentration von Methan in der Atmosphäre ist heute zweieinhalb mal so hoch wie vor der Industrialisierung. Methan ist für 15 bis 20 Prozent der Klimaerwärmung verantwortlich und entsteht durch Viehzucht, beim Kohleabbau und bei der Gewinnung und dem Transport von Erdgas. Deshalb ist Methan – trotz geringerer Konzentration als CO₂ – für rund 25 Prozent der Erderwärmung seit Beginn der Industrialisierung verantwortlich. Gelänge es, den Methanausstoß bis 2030 um 45 Prozent zu senken, ließe sich allein dadurch die globale Durchschnittstemperatur von 2040 an um 0,3 Grad Celsius mindern, heißt es im Methan-Bericht des UN-Umweltprogramms. Es ist der „stärkste Hebel für den Klimaschutz“, wie der Bericht feststellt.

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Den Ausstoß von Methan senken zu wollen, darauf hatte man sich 2021 bei der Klimakonferenz von Glasgow geeinigt, allerdings nicht auf das Wie. Nun die gute Nachricht: Das Forschungsteam des MIT hat eine „überraschend gute“ Möglichkeit entdeckt, das Methangas einzufangen, bevor es in die Atmosphäre gelangt. Das vulkanische Mineral Zeolith, das auch in Katzenstreu verwendet wird und auf unserem Planeten reichlich vorhanden ist, könnte die Lösung sein. Versetzt mit Kupfer, bindet es Methangas, genau wie Katzenpipi. Es soll deshalb künftig in Kuhställen und Kohlebergbau eingesetzt werden. Die Forschenden haben großzügige Fördergelder erhalten, um weiter an konkreten Lösungen zu arbeiten. „In den nächsten 18 Monaten wollen wir den Nachweis erbringen, dass dieses Konzept auch in der Praxis funktioniert“, so die Forscherin Desiree Plata vom MIT.

the outdoors rainforest

2. Regenwälder können sich schnell regenerieren (wenn man sie lässt)

Die Abholzung des Regenwaldes ist ein Problem, das kaum noch einer Erklärung bedarf. Seit mehr als 50 Jahren ist beispielsweise der WWF damit beschäftigt, den Regenwald zu vor der Rodung zu retten. Trotz aller Bemühungen – noch nie stand es schlechter um ihn. Der Amazonas alleine hat im letzten halben Jahrhundert 17 Prozent seiner Fläche verloren. 

Dabei ist der Regenwald unser stärkster Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel. Er bindet 228 bis 247 Gigatonnen Kohlenstoff – das entspricht dem Siebenfachen des menschenverursachten Ausstoßes pro Jahr. Die meisten abgeholzten Flächen werden zu Weideland oder zu Palmölplantagen umgenutzt. Ein hoher Anteil fällt auch natürlichen Bränden zum Opfer, und die häufen sich mit der Zunahme des Klimawandels. Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. 

rainforest clean air

Bisher dachte man, dass einmal gerodeter Regenwald sehr schwer wieder aufzuforsten ist. Das lag vor allem daran, dass menschengemachte Aufforstung nicht die gewünschten Ergebnisse erzielte. Lässt man den Regenwald sich allerdings selbst regenerieren, gelingt es tatsächlich „überraschend schnell“, wie Lourens Poorter, ein Professor für funktionelle Ökologie an der Wageningen University in den Niederlanden feststellte, der das Forschungsprojekt leitete. Mehr als 90 internationale Forschende analysierten die Daten zur Wiederaufforstung von 77 Standorten und 2.275 Flächen in Nord-, Mittel- und Südamerika sowie in Westafrika unter Berücksichtigung von 12 Kriterien, darunter Bodenqualität, Pflanzenfunktion und Artenvielfalt.

Die Studie ergab, dass Wälder, die sich selbst regenerieren, besser abschneiden als solche, in denen der Mensch versucht hat, sie wiederherzustellen. Tropische Wälder konnten innerhalb von 20 Jahren etwa 78 Prozent ihres früheren Wachstums erreichen.

stone formation pollution

3. In Zukunft tragen wir Kohlenstoff als Kleidung und Parfüm

Nicht nur Katzenstreu, auch Kleidung kann im Kampf gegen den Klimawandel helfen, indem sie Kohlenstoff bindet. (Fans von Alliterationen, dieser Satz ist nur für Euch!) Das amerikanische Start-up LanzaTech hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Es will Kohlenstoff aus Abgasemissionen als Ressource nutzen und kreislauffähig machen. Kann das wirklich funktionieren?

„Wir zeigen der Welt, was möglich ist, wenn wir die Art und Weise radikal umdenken, wie wir Kohlenstoff beschaffen, nutzen und entsorgen“, so Dr. Jennifer Holmgren, Chief Executive Officer von LanzaTech. Sie will eine „Zukunft für alle zu schaffen, in der alles aus recyceltem Kohlenstoff hergestellt werden kann.“ Und tatsächlich, die Anwendungsgebiete scheinen fast unbegrenzt. Konkret werden industrielle Abgasemissionen wie Wasserstoff, Kohlenstoffmonoxid oder Kohlenstoffdioxid aus Stahl- und Legierungswerken, Erdölraffinerien, petrochemischen Komplexen und Gasverarbeitungsanlagen durch ein Bakterium in Ethanol „fermentiert“. Ethanol ist ein Alkohol, der als Baustein für sehr viele Anwendungsbereiche genutzt werden kann: Als Kraftstoff, in der Medizin, in Haushalts- und Konsumprodukten. Bis heute hat die erste kommerzielle „Gasfermentationsanlage“ von LanzaTech mehr als 30 Millionen Gallonen Ethanol produziert – etwa 150.000 Tonnen CO2-Emissionen, die sonst in der Atmosphäre gelandet wären, wie es auf der Website des Unternehmens heißt.