Zurück zum Einklang mit der Natur

Wer sich der natürlichen Welt wieder annähert, kann seine Lebensqualität verbessern.

Ein Gastbeitrag von Umwelt Bloggerin Margarita von MarGreen

Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, wieder mehr im Einklang mit der Natur zu leben. Nach den Erfahrungen der Pandemie setzt langsam ein weltweiter Heilungsprozess ein. Doch die meisten von uns wollen nicht unbedingt einfach ein „Zurück zur Normalität“. Wir wollen „besser“ leben. Aber wie?

Die Natur ist eine unerschöpfliche Quelle für Inspiration, Heilung und Trost. In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, warum in unserem Bewusstsein über diese Qualitäten der Natur eine allumfassende Kraft liegt, die uns heilen kann. Wenn wir lernen, uns tiefer mit den Energien der natürlichen Welt zu verbinden, werden wir Medizin, Nahrung, Orientierung und eine allgemeine Verbesserung unserer Lebensqualität finden. So können wir Depressionen, Ängste, Krankheiten und Einsamkeit überwinden und gesünder, kommunikativer und produktiver werden. Alle Aspekte unseres Lebens profitieren, wenn wir uns wieder stärker mit der Natur verbinden und wertschätzen, was sie uns geben kann.

Durch die Natur Laufen am Meer

Die Autoren einer umweltmedizinischen Studie haben sich mit der folgenden Frage beschäftigt: Ist die heutige Entkopplung von den Elektronen der Erde ein wichtiger und übersehener Faktor für physiologische Dysfunktionen und den alarmierenden weltweiten Anstieg chronischer Beschwerden?

Ins Freie gehen, im Wald sein, frische Luft atmen, barfuß den Boden berühren, die Handflächen auf die Rinde eines Baumes legen – all das löst positive chemische Reaktionen in unserem Gehirn aus. Ganz so, wie Schokolade uns glücklich macht, verbessert die Natur unser Befinden. Wenn man glücklicher werden will, gibt es einen einfachen Weg: Draußen in der Natur fühlt man sich körperlich und geistig besser.

Holzhaus direkt am See

Wir kommen aus der Natur

Die Weisheit alter Völker lehrt uns, dass die Natur uns mit allem versorgt, was wir für ein erfülltes Leben brauchen. Von ihnen können wir lernen, Pflanzen als Medizin zu nutzen, Gemeinschaftsstrukturen zu organisieren, Städte um saubere Wasserquellen herum zu planen und die Balance im Leben aufrechtzuerhalten.

Das Weltbild des Volks der Sundanesen basiert auf einer Kosmologie, nach der sich die Natur in allen Lebensbereichen spiegelt: von der Art und Weise, wie die Menschen die Landschaft und ihre Häuser gestalten, über ökologische Vorkehrungen, Werkzeuge und Ausrüstung bis hin zur besonderen Form der Koexistenz mit der Natur. Ein Beispiel: Im Wissen, dass alles Leben vom Wasser abhängt, teilen die Sundanesen, dem natürlichen Lauf des Wassers entsprechend, das Land in eine obere, eine mittlere und eine untere Landschaft. Im oberen Bereich dürfen die Menschen keine Wohnhäuser bauen, und die Quelle des Wassers muss „sauber und rein“ gehalten werden, da jede Verschmutzung das Leben in den unterhalb liegenden Gebieten beeinträchtigen würde. Einem ähnlichen Weltbild begegnet man bei den indigenen Stämmen der Sierra Nevada in Kolumbien, die das von ihnen bewohnte Land ins Zentrum stellen. Der Stellenwert der Natur ist so hoch, dass Kinder im Freien gezeugt werden. In geschlossenen Räumen gezeugte Kinder, so glaubt man, würden mit einem geschlossenen Geist zur Welt kommen. Von unseren Vorfahren lernen wir, dass eine tiefe Verbindung zur Natur die Voraussetzung für ein glückliches, gesundes Leben ist.

Mutter mit Baby sammelt Kräuter in der Natur

Ximena, eine indigene Frau aus den Bergen der Sierra Nevada im Norden Kolumbiens, mit ihrem zehn Tage alten Neugeborenen.

In Japan gibt es den Ausdruck „shinrin-yoku“, was so viel bedeutet wie „Waldbaden“ und das bewusste Aufnehmen der Waldatmosphäre bezeichnet. Geprägt hat den Begriff das japanische Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei, das seit den 1980er-Jahren die Menschen auffordert, in den Wald zu gehen, um Stress abzubauen und die Gesundheit zu stärken.

Studien haben darüber hinaus gezeigt, dass Krankenhauspatienten, die durch das Fenster ihres Zimmers auf Bäume blicken, schneller genesen, weniger Schmerzmittel benötigen und weniger Komplikationen haben als Patienten ohne Aussicht ins Grüne.

Wenn wir so etwas lesen, wird uns bewusst, wie weit wir uns von unseren Vorfahren und der natürlichen Welt entfernt haben, mit der wir doch zweifellos verbunden sind. Wie lässt sich das ändern?

Frau schläft im Feld

Wie wir der Natur wieder näher sein können

Eine der besten Möglichkeiten, die Entfremdung von der Natur zu überwinden, ist der direkte Kontakt zur Erde. Die Oberfläche unseres Planeten erzeugt eine Art elektrischer Nahrung und ist eine oft übersehene Quelle wirksamer natürlicher Heilkräfte. Der direkte physische Kontakt, etwa das Barfußlaufen im Freien, hat einen überaus positiven psychologischen Effekt. Es ist ein einfaches und wirksames Mittel, sich zu entspannen, durch Sinneserfahrungen Freude zu empfinden und das Gefühl zu erleben, in die Natur einzutauchen. Man spricht hier auch von Grounding oder Erdung.

Jahrzehntelange Forschungen haben gezeigt: Wenn wir uns biologisch erden, können wir die innere Umwelt der bioelektrischen Systeme in unserem Körper, die die Funktionen unserer Organe, Gewebe, Zellen und Biorhythmen steuern, wieder in eine richtige Balance bringen und stabilisieren. Studien wie diese von James L Oschman belegen, dass diese Art des „Grounding“ eine natürliche und leicht zugängliche medizinische Strategie für emotionale und spirituelle Heilung sein kann.

Der Meeresbiologe Wallace J. Nichols liefert in seinem Bestseller Blue Mind wissenschaftliche Beweise dafür, dass es der seelischen Gesundheit und dem Glücksempfinden förderlich ist, wenn man sich in der Nähe von Gewässern aufhält. Die überraschende wissenschaftliche Erkenntnis ist also: Wenn wir am, im oder unter Wasser sind, werden wir potenziell glücklicher und gesünder. Wir sind enger mit unserer Umwelt verbunden und besser in dem, was wir tun.

In dem Maße, wie wir unser eigenes Wohlbefinden steigern, können wir auch anderen Menschen helfen, sich besser zu fühlen. Das hat einen positiven Effekt auf die Gemeinschaften, in denen wir leben, und darüber hinaus. Indem wir die Natur in unser alltägliches Leben integrieren, können wir heilende Prozesse in Gang setzen. Denn unsere persönliche Gesundheit ist nur ein Spiegel der Gesundheit des Planeten, auf dem wir leben.

Frau sitzt in den Bergen auf einem Stein

Wie man sich erdet

Gehe nach draußen und laufe barfuß auf der Erde. Berühre die Rinde eines Baumes. Kommuniziere mit einem Vogel oder einem Eichhörnchen. Gehe mit deiner Familie Beeren pflücken. Öffne das Fenster … Wer sich Zeit nimmt, die Erde zu spüren, kann für sich die heilsame Grundvorstellung wiederentdecken, dass alle Lebewesen auf dieser Erde miteinander verbunden sind. Die Gesundheit unseres Planeten spiegelt unsere individuelle Gesundheit wider.

Hier sind weitere Möglichkeiten, wie wir die Natur in unseren Alltag holen können:

  • Akustische und visuelle Hilfen nutzen: Wähle eine Landschaft als Hintergrundbild für deinen Computer und Natur-Tone für Handy-Benachrichtigungen.
  • Lege dich auf die Erde. Unternimm einen Camping-Ausflug oder picknicke mit Freunden. Auf dem Boden zu schlafen ist wohl die reinste und ursprünglichste Form des Grounding.
  • Wenn du draußen in der Natur bist, berühre, fühle, rieche die Welt um dich herum, um die Natur mit allen Sinnen zu erleben und dich auf einer tieferen Ebene mit ihr zu verbinden. Schaue mit offenen Augen und bleibe aufmerksam für das Jetzt.
  • Integriere Wasser in deinen Alltag, zum Beispiel, indem du einmal in der Woche schwimmen gehst. Die Nähe zum Wasser dient der seelischen Gesundheit und macht glücklicher, das ist wissenschaftlich bewiesen.
  • Suche dir sinnvolle Aufgaben. Wer sich an lokalen Projekten beteiligt, tut nicht nur etwas Gutes für die Gemeinschaft, sondern erfährt auch ein Gefühl der Sinnhaftigkeit und der Zugehörigkeit. Betätige dich ehrenamtlich, mach bei Müllsammel-Aktionen mit oder beteilige dich an Umweltprojekten in deiner Nähe. Organisationen, die Aktionen in deiner Nähe durchführen, findest du z.B. in den sozialen Medien.
  • Versuche mindestens einmal am Tag nach draußen zu gehen, tanze im Regen, gehen spazieren, esse dein Mittagessen im Park, werde kreativ, nutze jede Gelegenheit.
  • Gib dein Wissen weiter und sprich mit anderen über die positiven Effekte deiner Naturerfahrungen. Unterstütze besonders junge Menschen dabei, sich mit der Natur zu verbinden. Nur wenn wir eine echte Verbindung mit der Natur eingehen und ihre unendlich positive Wirkung spüren, haben wir die Kraft, sie zu schützen.