Ecosia – Die Suchmaschine für den Planeten

Das Pflanzen von Bäumen ist eine der besten Antworten auf die Klima- und Artenkrise. Die Suchmaschine Ecosia hat sich die verantwortungsvolle Aufgabe zur Mission gemacht. Das Schöne: Wir alle können mithelfen!

121.594.277 leuchtet es in blaugrüner Schrift auf der Website von Ecosia. Wenig später springt die Nummer einen Zähler weiter, kurz darauf noch einen. Was hinter der dauerlaufenden Zahl steckt? Bäume! Über 121 Millionen Stück (Stand März 2021) hat Ecosia mit seinen Gewinnen bereits über den Erdball verteilt anpflanzen lassen. Anfang 2020 ist die grüne Suchmaschine in die Backsteinbauten der ehemaligen Werkstätten des Nordens in Berlin Wedding eingezogen, nachdem das alte Büro in Neukölln so sehr aus allen Nähten geplatzt war, dass einige Mitarbeiter abwechselnd die Schreibtische nutzen mussten. Denn analog zum Zähler auf der Website ist das Unternehmen in den letzten Jahren rasant gewachsen.

Ecosia wurde 2009 von dem Berliner Christian Kroll gegründet. Eine Suchmaschine aus dem Boden zu stampfen, ist angesichts so mächtiger Konkurrenten wie Google kein leichtes Unterfangen. Dementsprechend holprig verlief die Anfangszeit. „Zu Beginn waren wir noch nicht so bekannt, aber in den letzten Jahren haben wir deutlich Fahrt aufgenommen. Das erkennt man auch an den Zahlen. Im Januar 2019 konnten wir nach 9 Jahren Bestehen 50 Millionen gepflanzte Bäume feiern und nur kurze Zeit später im Sommer 2020 waren es bereits 100 Millionen“, sagt Head of Ecosia Germany Génica Schäfgen.

Ecosia CEO Christian Kroll

Klickt ein Nutzer auf die neben den Suchergebnissen angezeigten Werbeanzeigen, verdienen Suchmaschinen Geld. Während die Gewinne der Mitbewerber bei Shareholdern, Aktionären etc. landen, fließen die Einnahmen bei Ecosia in die laufenden Kosten für das Büro und die Gehälter der 80 Angestellten sowie in Werbemaßnahmen. Der Löwenanteil der Gewinne, circa 80 Prozent, aber finanziert Baumpflanzprojekte der aktuell weltweit 47 Partner. Die verbleibenden 20 Prozent fließen in andere klimafreundliche Initiativen und den Aufbau einer Solaranlage zur Abdeckung des eigenen Energiebedarfs

„Wir unterstützen das Pflanzen von Bäumen dort, wo sie am meisten gebraucht werden. Das heißt dort, wo Bäume aufgrund von Rodungen etwa durch die Palmölindustrie oder als Folge des Klimawandels  nicht mehr vorkommen oder sich kaum von selbst erholen können.“ In solchen Biodiversitäts-Hotspots, also Regionen, in denen die Artenvielfalt stark bedroht ist, pflanzen Ecosias Partner überwiegend heimische Baumarten in einem Mischwaldansatz möglichst regenerativ, also ohne Pestizide und mit größtem Respekt vor dem natürlichen Ökosystem, an. Die in Baumschulen herangezogenen Setzlinge werden anschließend beobachtet und geprüft, ob sie das Umpflanzen auch gut überstanden haben oder nachgepflanzt werden muss. Erst dann werden die gepflanzten Bäume gezählt.

Das Ziel von Ecosia ist es, dass die Wälder langfristig ohne menschliche Hilfe überleben können. Im Optimalfall entsteht bei den Aktionen aber noch ein Mehrwert, zum Beispiel wenn im Rahmen einer sogenannten Agroforstwirtschaft zusätzlich noch Lebensmittel angebaut werden. Diese können von den Menschen vor Ort entweder selbst oder als Einnahmequelle genutzt werden. Jeder Baumpflanzpartner hat dabei seine eigenen Challenges und Ziele. So stellt sich Hommes et Terre der Herausforderung, die Sahel Zone mit ihrem betonharten Boden zu begrünen, in Brasilien verbindet PACTO verschiedene Organisationen mit dem Ziel, den stark bedrohten Atlantischen Regenwald wieder aufzuforsten und das österreichische Jane Goodall Institut verbindet Waldkorridore zwischen gerodeten Flächen, um Lebensräume für Schimpansen zu schaffen.

Baumschule Senegal

Etwa ein Prozent aller Suchanfragen in Deutschland läuft heute über Ecosia. Das hört sich wenig an, ist aber angesichts der ungeheuren Dominanz der Mitspieler auf dem Markt gar nicht so schlecht. Wer „ecosieren“ möchte  – von „googlen“ spricht man hier natürlich nicht – kann das über die URL www.ecosia.org tun oder in seinen Browsereinstellungen Ecosia als Suchmaschine auswählen. Für Smartphone und Tablett gibt es Ecosia als App. Ganz ohne einen großen Partner kommt das Berliner Start-up aber nicht aus. 

„Die Suchergebnisse und Werbeanzeigen erhalten wir von Microsoft Bing und zahlen dafür Geld. Diese Technik selbst zu entwickeln, wäre eine Mammutaufgabe gewesen“, erklärt Schäfgen. Das, was Ecosia dem User anzeigt, unterscheidet sich aber von den Suchergebnissen bei Bing. Weil das Unternehmen die Daten seiner Anwender schützt, werden keine Nutzerprofile von ihnen erstellt. Sprich: die angezeigten Ergebnisse sind neutral und bauen nicht auf vergangenen Suchanfragen oder anderen gesammelten Daten auf. 

Baumschule Kenia

Außerdem arbeitet die Suchmaschine ihre ökologischen Werte in den Service ein. So soll zukünftig beispielsweise bei der Suche nach einem Flug von Berlin nach München auch gleich die umweltfreundlichere Alternative mit der Bahn und die damit verbundene CO2-Ersparnis angezeigt. „Wir wollen unsere Nutzer auf diese Art und Weise dabei unterstützen grünere Entscheidungen zu treffen. Neben den Baumpflanzaktionen sehen wir darin unsere Aufgabe. Das ist das, was wir im Team möglich machen, und woran wir mit vereinten Kräften arbeiten“, sagt Schäfgen.

Als wäre all das nicht schon bemerkenswert genug, gingen Christian Kroll und Co-Gesellschafter Tim Schumacher 2018 noch einen Schritt weiter. Damals spendeten sie das gesamte Unternehmen an die Purpose Stiftung, deren Ziel es ist, Firmen ins Verantwortungseigentum zu führen. Dadurch behalten Eigentümer zwar Stimm- und Teilhaberechte, sind aber nicht am Gewinn beteiligt. So ist sichergestellt, dass Ecosia vorrangig der Verwirklichung seiner Mission, nicht aber dem Gewinnstreben der Eigner dient – selbst dann, wenn das Unternehmen verkauft oder vererbt werden müsste. 

„Für uns Mitarbeiter war das natürlich ein Wahnsinns-Zeichen. Wir wissen, dass wir wirklich für die Sache arbeiten“, sagt Schäfgen. Das zu Beginn einmal gesetzte Ziel, bis 2020 eine Milliarde Bäume zu pflanzen, hat Ecosia nicht geschafft. So wie das Unternehmen aufgestellt ist, wird es das aber in Zukunft nachholen – der Zähler läuft.