Deutschland sucht den Superbaum

Seit meiner Kindheit ist der Wald mein zweites Zuhause. Vor allem im Herbst, wenn die Pilzsaison beginnt, kenne ich keinen Halt mehr. Ich liebe es noch im Morgengrauen aufzustehen und noch im schweren morgendlichen Nebel durch den Wald zu streifen. Da ist die uralte Buche, die mich gleich am Eingang in den Wald begrüßt. Und am kleinen Hang stehen die jungen Birken. Im September wachsen hier Maronen drunter.

Im letzten Jahr hat die Buche bereits im Hochsommer einen großen Teil ihrer Blätter abgeworfen. Dieses Jahr war es nicht anders.

Mir ist nicht entgangen, wie sehr sich der Wald verändert. Die Veränderung ist nicht nur in Brandenburg sichtbar, sondern in vielen Wäldern in Deutschland und Europa. Der Klimawandel, Trockenheit und längere Dürreperioden setzen den Bäumen extrem zu. Kahl gewordene Baumspitzen und vom Borkenkäfer zerfressene Stämme prägen das Bild des Waldes von heute.

Dem Wald geht es schlecht, so ist die Expertenmeinung. Und es hat dramatische Folgen nicht nur für den Wald als grüne Lunge und einen Ort der Erholung, sondern auch für all jene, die den Wald als eine Wirtschaftsquelle nutzen.

Bereits seit 1989 sucht ein Gremium an Forschern, Vertretern aus der Umwelt,- und Wirtschaft nach Deutschlands Superbaum.

Der Baum soll widerstandsfähig genug sein, um dem Klimawandel zu trotzen, und dabei gleichzeitig viel CO2 zu binden. Sprich: dicke Stämme haben und eine große Höhe erreichen. „Der Baum der Zukunft muss anpassungsfähig sein, resistent gegen Trockenheit, Schädlinge und Hitze, er muss sich schnell von Dürren erholen, viel CO2 binden und obendrein noch Erträge erwirtschaften“

Für 2019 wurde Robinie als eine vielversprechende Kandidatin gewählt. „Sie bindet recht viel CO2, wächst schnell und produziert recht verwitterungsresistentes Holz“, sagt der Freiburger Forstwissenschaftler Martin Kohler.

„Dennoch hat Robinie einen Nachteil. Wenn sie genug Licht bekommt, ist sie kaum mehr zurückzudrängen und nimmt den anderen Baumarten die Sonne. Das muss man eben wissen und sie nicht in Waldhainen anpflanzen.“

Wie soll also der Wald der Zukunft aussehen?

Viele Stimmen rufen nach „naturnahen“ Misch-Wäldern und weniger Eingriffen durch den Menschen. Andere sehen darin gefährdete Arbeitsplätze und warnen vor Holzimporten aus dem Ausland. Einen gemeinsamen Konsens gibt es dennoch: Der Wald als reine Fichten-Monokultur ist nicht zukunftsfähig.

Vor allem muss Biodiversität und ein guter Mix aus verschiedenen Baumarten hergestellt werden. Denn nur ein vielfältiger Wald ist robust genug, um dem Klimawandel zu trotzen.