Der Kampf gegen die illegale Abholzung der Urwälder Rumäniens

Dass Tourismus und die Bewahrung eines einzigartigen Ökosystems nicht im Zwiespalt stehen müssen, beweisen Barbara und Christoph Promberger mit der Gründung ihrer Stiftung Fundatia Conservation Carpathia (FCC). Sie setzen sich aktiv für die Bewahrung und den Schutz einer der unberührtesten Gegenden Europas ein – die letzten Urwälder Rumäniens. Massive illegale Abholzungen tragen seit mehreren Jahren zur ernsthaften Bedrohung Jahrhunderte alter Bäume und seltener Arten bei, die in den Wäldern Zuflucht suchen. Doch wie kam es dazu, dass Christoph Promberger in diesem faszinierenden Land Fuß fasste und aus einem geplanten Zwischenstopp von wenigen Jahren ein entscheidender Lebensabschnitt wurde, der je noch kein Ende fand?

Christoph Promberger
© Matei Buță

Die Leidenschaft für Wölfe

Schon seit seiner Kindheit begeistert sich Promberger für die Könige des Waldes. Ein Jugendbuch über Wölfe zog ihn in den Bann dieser atemberaubenden Tiere und hat ihn seither nicht mehr losgelassen. Um seine Diplomarbeit über ein Wolfsforschungsprojekt zu schreiben, verschlug es ihn deshalb Ende der Achtzigerjahre in den Norden Kanadas in eine einsame Hütte im spärlich besiedelten Yukon.

Wolf
© Barbara and Christoph Promberger

„Es gibt niemanden, der keine Meinung zu Wölfen hat: Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Ich gehöre definitiv zur ersten Kategorie.“ -Christoph Promberger

Als einfallsreicher Student ohne die nötigen finanziellen Mittel kam er auf die Idee Jack Wolfskin zu kontaktieren, um nach Unterstützung zu fragen. Nach einem postalischen Austausch durfte sich der junge Akademiker eine Ausrüstung für sein spannendes Abenteuer zusammenstellen. Dies war der Beginn einer andauernden Verbindung. Bewaffnet mit Rucksack, einem schützenden Schlafsack und Funktionskleidung widmete sich Promberger seinem Abenteuer und wusste nicht, was ihn schon bald nach seiner Rückkehr in Deutschland erwarten würde.

Aufbruch nach Rumänien

Jack Wolfskin beschäftigte sich zeitgleich mit Prombergers Ankunft mit dem Start einer Initiative, zur Ausweitung des Wolfsschutzes. Wie der Zufall es wollte, kontaktierte das Team die wildbiologische Gesellschaft München e.V. (WGM), welche von Prombergers ehemaligen Wildbiologieprofessor geleitet wurde. Dieser zögerte nicht lange und holte seinen Schützling ins Boot, um eine atemberaubende Mission in Rumänien anzugehen.

Carpathian Mountains
© Cornelia Dörr

„Das war genau, was ich wollte. Ich wollte schon immer in die wildesten Ecken rein.“ -Christoph Promberger

Und so fing alles an. Im Sommer 1992 flog er das erste Mal in die Nähe der rumänischen Großstadt Brasovs und verliebte sich sofort in die unendliche Weiten, stillen Wälder und geheimnisvollen Dörfer. Abseits von Massentourismus und großstädtischem Stress, dominieren hier wild lebende Tiere und die Stille der Natur. All das war es, was Promberger immer wollte. Abgeschiedenheit und die Möglichkeit, etwas mit Sinn zu bewirken. Aus einem geplanten Aufenthalt von vier sind mittlerweile sechsundzwanzig Jahre geworden und ein baldiges Ende ist nicht in Sicht. 1996 hat Promberger in Rumänien seine (österreichische) Frau und Mitstreiterin gefunden, seither bilden Christoph und Barbara auch beruflich ein Paar.

Die Abholzung der letzten Urwälder

Nach dem jahrelangen und schweißtreibenden Aufbau des größten Großraubtier-Forschungs- und Schutzprojekt in Osteuropa, der Erziehung von zwei wundervollen Kindern und des Aufbaus des Reiterhofs Equus Silvania in Siebenbürgen mit seiner Frau Barbara, war es Zeit für etwas Neues. Während dieser Zeit begannen in den Bergen Rumäniens massive Abholzungen und beiden war klar: „Wir müssen etwas tun.“

Natural forests in the Carpathian mountains
© George Soare

Seit 2005 wurden in Rumänien ehemals verstaatlichte Wälder an die Bevölkerung zurückgegeben. Viele neue Waldbesitzer, die keinen Bezug zu ihren Flächen hatten und kein großes Interesse an der eigenen Nutzung der Waldflächen hatten, verkauften diese weiter. Neben seriösen Investoren erschienen auch viele zwielichtige, profitorientierte Abholzungsunternehmen auf dem Markt, die Wälder aufkauften und dann massive Kahlschläge auf diesen zurückerstatteten Flächen durchführten, und Abertausende Hektar Urwald illegal abholzten.

Es musste ein Plan her, um dieser ernsthaften Bedrohung des Karpatenökosystems entgegenzuwirken. Doch nur als Zweiergespann konnten Barbara und Christoph kaum etwas bewirken, sodass sie ehemalige Unterstützer kontaktierten, um auch dieses Herzensprojekt in die Tat umzusetzen.

Die Gründung von Carpathia

Um den illegalen Holzeinschlag zu stoppen und langfristig zum Schutz der Karpartenwälder und Artenvielfalt beizutragen, gründete das Ehepaar 2009 die Stiftung Conservation Carpathia (FCC) mit weiteren Philanthropen und Naturschützern.

Replanting campaign Carpathia
© Georgiana Andrei

„Wir haben uns das nie zu träumen gewagt. Zu zweit haben wir begonnen und jetzt sind wir fast 100 Leute in der Stiftung.“ -Christoph Promberger

Die Stiftung trägt durch den Erwerb, den Schutz und die Verwaltung von Wäldern und Grasland zur Erhaltung und Wiederherstellung des natürlichen Ökosystems der Karpaten bei. Innerhalb der letzten zehn Jahre wurden bereits atemberaubende Ziele erreicht:

– Kauf von über 25.000 ha Wald zum dauerhaften Schutz

– Sicherstellung von über 65.000 ha Jagdkonzessionen für den Schutz von Wildtieren

– Verhinderung von illegalen Rodungen auf über 65.000 Hektar

– Pflanzung von mehr als 2,5 Mio. Bäumen zur Wiederaufforstung von 800 ha gerodeten Flächen

Das Ziel der Stiftung

Die Mission von Carpathia ist es, im Zentrum Rumäniens den größten Wald-Nationalpark Europas zu erschaffen, um den Lebensraum von Wildtiere, wie Wölfe, Luchse und Bären, zu schützen und evolutionäre Prozesse zu ermöglichen. Das Projekt erschließt sich über das Făgăraș-Gebirge, den Nationalpark Piatra Craiului und die Leaota-Berge. Damit ist das Schutzgebiet zehn Mal größer als der Nationalpark Bayrischer Wald.

„In unseren Statuten ist festgeschrieben, dass wir irgendwann all das gekaufte Land als Kernzone eines Nationalparks an den Staat schenken werden.“ – Christoph Promberger

Fagaras Mountains Romania
© Dan Dinu

FCC ist an der Schaffung einer neuen, naturfreundlichen Wirtschaft rund um das Făgăraș-Gebirge beteiligt, zum Nutzen der Biodiversität und der lokalen Gemeinden. Wenn das Projekt abgeschlossen ist, soll der Nationalpark als Ikone des Naturschutzes Europas fungieren. Im Zuge dessen versuchen die Stiftungsmitglieder so effektiv wie möglich Vorteile für die Bevölkerung zu entwickeln.

Auf den Spuren der Wölfe

Deshalb flammte vor etwa einem Jahr die Idee auf, ein Öko-Tourismus-System zu entwickeln – den Wolftrail. Dieser Trail ist in Zusammenarbeit mit dem Outdoor Ausrüster Jack Wolfskin und dem Reisexperten ASI Reisen entstanden und trägt einerseits dazu bei, mehr Aufmerksamkeit für die Karpatenwälder und die FCC Stiftung zu generieren, andererseits echtes Interesse der rumänischen Bevölkerung an der Bewahrung dieser einzigartigen Natur zu stiften.

„Wir müssen das Business erstmal entwickeln, damit auch die jüngere Gesellschaft wieder eine Möglichkeit sieht, vom Tourismus leben zu können und genau diese Lebensgrundlage zukünftig verteidigen.“ -Christoph Promberger

Carpathian Mountain Landscape with Clouds
© Emil Cseh

Wanderer begeben sich während einer sechstägigen Reise auf die Spuren der Wölfe in einem wilden und naturbelassenen Gebiet inmitten von Rumänien. Der Wanderweg führt in die abgelegensten Gebiete, die kaum zugänglich sind und bietet einen unglaublichen Ausblick auf die Karpartenwälder. Abenteuerliche Besucher können Spuren von Wölfen, Auerhähnen, Luchsen, Bären und weitere faszinierende Pflanzen und Tiere finden, mit Glück bekommt man auch eines dieser faszinierenden Tiere zu Gesicht. Übernachtet wird teilweise in gemütlichen Wildbeobachtungshütten, die gute Chancen bieten, aus der Sicherheit der Hütten heraus Hirsche, Bären, Wildschweine oder auch Wölfe zu sehen und die eine klare Sicht auf die sattgrünen Wiesen und traumhaften Wälder ermöglichen. Die unglaubliche Stille der Natur wird höchstens von brunftigen Hirschen oder dem Heulen eines Wolfsrudels unterbrochen.

Um den Kampf gegen die rücksichtslose Abholzung der letzten Paradieswälder Europas zu unterstützen und einen einzigartigen Nationalpark zu kreieren, kann die Petition „Rumänien – Rettet Europas letzte große Urwälder!“ unterzeichnet oder Geld an die FCC gespendet werden. Sich beim Wolftrail anzumelden, zeigt der Lokalbevölkerung außerdem, dass alle mehr vom Schutz des Urwaldes, als von dessen Abholzung profitieren.


Die unberührte Natur der Karpaten



Was kann ich gegen die Abholzung des Urwaldes in den Karpaten tun?

– Unterstütze die Arbeit der FCC, durch unterschreiben von Petitionen wie Save Paradise Forests,

Spenden an FCC

– anmelden beim Wolftrail und damit der Lokalbevölkerung zeigen, dass sich mit Urwaldschutz besser Geld verdienen lässt als ihn abzuholzen

Foto Header: © Dan Dinu