ASI Reisen Headquarter – Wenn Büro und Natur eins werden

Das neue Headquarter von ASI Reisen liegt mitten in der Natur. Das passt so gut zur Firmenkultur des österreichischen Anbieters für nachhaltige Aktivreisen wie das Konzept des Gebäudes. Denn der Bau thematisiert die Symbiose zwischen Mensch und Natur in seiner gesamten DNA.

Schnell mal ab in den Flieger steigen, um am anderen Ende die Welt zu erkunden – ohne Rücksicht auf Mensch und Natur. Solche Konzepte stehen bei den 2000 Reisen in 92 Länder von ASI nicht auf dem Urlaubsplan. Hinter jedem Trip stecken unzählige Überlegungen, wie das Erlebnis mit möglichst viel Respekt vor dem Umfeld ablaufen kann. Das Thema Nachhaltigkeit ist von Tag eins an fester Bestandteil der Firmenphilosophie. Als Hannes Gasser das Unternehmen 1963 gründete, lautete sein Motto „Hirn und Herz für Natur und Kultur“.

©Sønhetta Studio Innsbruck/Christian Flatscher

Seit zehn Jahren führt sein Sohn Ambros die Geschäfte. Rückblickend sagt er: „Damals hat zwar noch niemand von Nachhaltigkeit gesprochen, aber es ging bei uns von Anfang an sehr stark um die Sensibilisierung für genau dieses Thema. Heute haben wir eine klar definierte Mission, die daraus entstanden ist.“ Das heißt konkret: Der ökologische Fußabdruck der Reisen steht unter ständiger Beobachtung und wird, wo immer möglich, minimiert. Was nicht einzusparen ist, kompensiert ASI Reisen zu 100 Prozent. Gleichzeitig wird die lokale Wertschöpfung – also der Nutzen für die Gemeinden am Urlaubsort – gemessen und immer weiter maximiert. So entstehen nachhaltige Erlebnisse nicht nur für die Reisenden selbst, sondern auch für die lokalen Communitys.

Als es darum ging, ein neues Headquarter für die 65 Mitarbeiter in der kleinen Tiroler Gemeinde Natters südlich von Innsbruck zu bauen, war klar: Der Bau sollte die Firmenkultur und das Engagement unbedingt widerspiegeln. Nach Brainstormings mit verschiedenen Architekturbüros fand Gasser in den norwegischen Planern von Snøhetta die kongenialen Partner. Die Architekten übernehmen so renommierte Großprojekte wie die Oper von Oslo oder den Pavillon des National September 11 Memorial and Museum am New Yorker Ground Zero, haben gleichzeitig aber auch wertvolle Erfahrungen mit Gebäuden an sensiblen Plätzen in der Natur gesammelt. Perfekt also für den im Grünen gelegenen Firmensitz von ASI Reisen.

©Sønhetta Studio Innsbruck/Christian Flatscher

„Es ging mir nicht nur darum, wie das Gebäude aussieht, sondern auch sehr stark darum, ob die Menschen, die dort zusammenarbeiten, in Resonanz geraten können“, so Gasser. Um das Gebäude möglichst optimal auf die Anforderungen und Abläufe zuzuschneiden, beteiligte der Chef seine Mitarbeiter an der Konzeption. Die erste Aufgabe: In Workshops sollten sie ein Wort finden, welches das neue Gebäude auf den Punkt bringt. Zwei Gruppen verständigten sich auf „Symbiose“, eine andere auf „Synergie“. „Am Ende des Tages sind die Begriffe nicht weit voneinander entfernt“, meint Gasser. Und in der Tat atmet der Arbeitsplatz die Symbiose zwischen Mensch und Natur und schafft Synergien zwischen innen und außen.

Für den neuen Sitz wurde ein in den 80er-Jahren entstandenes Firmengebäude abgerissen und der Neubau mit einem bestehenden Haus aus den Neunzigern durch eine Brücke verbunden. Raumhohe Glasscheiben und ein radikal offener Grundriss lassen jede Menge Sonnenlicht und die umliegende Natur hinein. 160 Pflanzen im Büro selbst und omnipräsente Hölzer wie Fichte, Lärche und Weißtanne unterstützen die natürliche Stimmung im Inneren.

„Außen integriert eine mit Efeu, Hopfen, wildem Wein und anderen heimischen Kletterpflanzen begrünte Fassade das Gebäude in die natürliche Umgebung und baut mit ihr eine schöne Wechselwirkung auf“, sagt Gasser. Genial: Mit den Jahreszeiten verändert sich das Erscheinungsbild dieses „grünen Vorhangs“ und passt sich damit auch den saisonalen Anforderungen an die Wärmedämmung an. Das durch die grüne Pufferzone erzeugte Mikroklima reduziert etwa den Energieverbrauch für die Kühlung des Gebäudes. Die Bewässerung der Pflanzen läuft automatisch über gesammeltes Regenwasser.

©Sønhetta Studio Innsbruck/Christian Flatscher

Genau wie bei den Reisen standen die Auswirkungen auf die Umwelt auch beim Bau im Visier. Die nachhaltige Bauweise mit natürlichen, möglichst sparsam eingesetzten Materialien – allen voran Holz – und einem ausgeklügelten Energiekonzept aus Low- und Hightech-Lösungen wie einem Luft-Wasser-Wärmepumpensystem ermöglicht einen langfristig geringen ökologischen Fußabdruck der Büroräume.

„Für die Symbiose im Raum haben wir unterschiedliche Zonen geschaffen, die untereinander in Kombination und Vibration stehen“, erklärt Gasser. Statt Einzelbüros und Wänden erstreckt sich das Büro über drei Etagen als komplett offener Raum. Alles ist transparent, alles ist durchlässig. Einige softe Barrieren, Regale mit Pflanzen und ein paar geschlossene Besprechungsräume, die man ab und zu braucht, machen die Ausnahme. Die Arbeitsplätze sehen für alle gleich aus, sogar für den Chef. Auch er sitzt nicht in einem eigenen Büro, sondern mittendrin im Geschehen und rotiert alle sechs Monate mit dem Team. Dann geht es an einen anderen Tisch mit anderen Mitarbeitern aus anderen Abteilungen.

Ambros Gasser, CEO

„Es ist ja gerade hip, ins Büro zu kommen und sich seinen Arbeitsplatz erst einmal zu suchen. Das passt nicht zu unserer Firmenkultur, also haben wir für den Arbeitsplatzwechsel einen längeren Zeitraum beschlossen“, so Gasser. Momentan teilt er mit einem Programmierer, einem Produktentwickler und jemandem aus dem Verkauf den Vierertisch. Auf diese Weise bekommen die Mitglieder der unterschiedlichsten Bereiche das gegenseitige Tagesgeschäft mit, was Verständnis für das große Ganze schafft. Neben den Arbeitsplätzen gibt es offene Begegnungszonen mit gemütlichen Sofas wie in der Lobby, dem sogenannten „Base Camp“, „Biwaks“ genannte Besprechungsnischen und mit dem „Market Place“ eine Küche für 70 Leute, in der einmal im Monat zusammen gefrühstückt wird.

Angesprochen auf sein progressives Unternehmertum, stapelt Gasser tief. „Das würde ich so gar nicht nennen. Aber ich bekomme viel mit und meine Aufgabe ist es zu sondieren, was mit unserer Unternehmenskultur matcht.“ Eines dieser Matches führte zur Einrichtung des Silence Rooms. Weil im alten Büro einige Mitarbeiter mittags gerne ein Schläfchen hielten und sich dazu an abgelegene Ort wie das Archiv zurückzogen, plante Gasser einen Ruheraum. Neben den Schlafmöglichkeiten findet dort einmal in der Woche Yoga statt, an zwei anderen Tagen baut eine Shiatsu-Therapeutin darin ihre Liege auf und massiert Genicke und Schultern.

©Sønhetta Studio Innsbruck/Christian Flatscher

Dass seine Angestellten seit dem Umzug noch glücklicher sind, konnte Gasser anhand regelmäßig stattfindender anonymer Umfragen messen. Der Name des neuen Gebäudes, in dem es so leichtfällt sich wohl zu fühlen, ist Programm. Die Mitarbeiter tauften es liebevoll das „ASI Nest“.