Paddeln auf dem Amazonas

Den Amazonas per Kanu aus eigener Kraft zu durch durchqueren, das ist der Traum der zwei Wirtschaftsingenieursstudenten Julian und Konstantin. Nachdem die beiden im Sommer 2021 ihr Bachelorstudium abgeschlossen haben, werden sie am 13. September nach Ecuador fliegen, um vom Westen des Amazonasbeckens dann ein halbes Jahr lang etwa 5000 Kilometer quer über den Kontinent zum Atlantik zu paddeln.

resting after paddling the river JW

Doch bei dieser Reise geht es nicht nur um Abenteuerlust, Konstantin und Julian wollen die Schönheit und Wichtigkeit dieses Gebietes mit vielen Menschen teilen. Sie wollen zeigen, was den Regenwald über seine geoklimatische Bedeutung hinaus so schützenswert macht. Denn Rodungen riesiger Waldflächen in Brasilien, leckende Ölpipelines in Ecuador und die Vertreibung indigener Stämme zeichnen eine düstere Zukunft für dieses Naturparadies. Mit ihrer Paddeltour wollen sie Spenden für die Fundação Vitória Amazônica (FVA) sammeln, die für den langfristigen Erhalt des Regenwaldes kämpft.

Wir sprachen mit Julian und Konstantin vor der Abreise und werden während ihres Abenteuers mit ihnen in Kontakt stehen und über den Verlauf ihrer Tour berichten.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, den Amazonas zu durchqueren?

Konstantin: Wir haben uns vor fünf Jahren während eines Freiwilligen Sozialen Jahres in Ecuador kennengelernt. Dort haben wir jede freie Zeit mit Touren verbracht, in den Anden, im Amazonasbecken oder an den Küsten. Die Extreme innerhalb dieses kleinen Landes haben uns fasziniert. Bei einer geführten 10-tägigen Tour durch den Amazonas-Regenwald haben wir das Gefühl bekommen, dass es dort noch so viel Spannendes zu sehen gäbe, wir aber nie genug Zeit hatten. Immer waren wir zeitlich oder aus anderen Gründen limitiert und wir konnten unserer Neugier nie richtig nachgehen. Schon damals haben wir geplant, eines Tages zurückzukommen und den Amazonas einmal zu durchqueren.

paddling the amazon the outdoors

Was fasziniert Euch so am Regenwald?

Konstantin: Als wir zum ersten mal dort waren, waren wir überrascht, dass es gar kein Leben zu geben scheint. Wenn man aber erst mal eine Weile die Umgebung beobachtet, zeigt sich Stück für Stück die Tierwelt. Hier und da krabbelt plötzlich was, auf den zweiten Blick erkennt man erst, was sich alles bewegt, wie gut manche Tiere getarnt sind. Auch die Größe des Amazonas-Regenwaldes ist beeindruckend, das kann man von außen fast nicht begreifen. Der Amazonas-Regenwald ist eine einzigartige Landschaft.

Wieso wollt Ihr paddeln? Es gäbe ja auch andere Fortbewegungsmittel…

Julian: Uns geht es dabei um die Zugänglichkeit zu dem Gebiet. Der Fluss ist eine Lebensader in dem Regenwald und auf ihm entlang zu fahren ist eine schöne Art, um die Dimensionen zu begreifen. Ein anderer Punkt ist die Stille. Viele Tiere sammeln sich um den Fluss, gerade seltene oder scheue Tiere kann man am besten vom Wasser aus sehen. Wenn wir durch den Regenwald stapfen würden, wären wir viel zu laut und würden sie verscheuchen. Dokumentarfilmer nehmen sich oft Boote, um an Tiere überhaupt nahezu geräuschlos heranzukommen.

Konstantin: Hinzu kommt auch, dass wir beide davon fasziniert sind, uns aus eigener Kraft durch die Natur zu bewegen. Bei einer so langen Strecke ist das Paddeln die optimale Fortbewegungsmethode, weil wir im Vergleich zum Wandern deutlich weniger Kraft aufbringen müssen und wir uns zu Fuß viel mehr Hindernissen stellen müssten.

calculating and mapping the perfect route through the amazon rainforest

Was werden die größten Herausforderungen sein?

Julian: Wir werden uns vielen schwierigen Situationen stellen müssen. Wir werden mit dem Klima zurechtkommen müssen, langfristig wird das Paddeln körperlich anstrengend werden. Wir sind zu zweit – im selben Boot – unterwegs, werden die ganze Zeit aufeinanderhängen, was auch eine Herausforderung für unsere Freundschaft darstellen wird. Probleme wird es auf einer so langen Tour mit Sicherheit geben und dann müssen wir gucken, wie wir damit umgehen und wie wir die Situationen gemeinsam meistern.

Konstantin: Mal sehen, ob wir danach auch noch befreundet sind!

Habt Ihr nicht auch Respekt vor Tieren, die gefährlich werden können? Oder vor wilden Flussläufen?

Konstantin: Technisch gesehen erwarten wir keine extremen Abschnitte wie etwa Wildwasser, der Fluss ist relativ ruhig. Raubtiere, denen wir begegnen könnten – Jaguaren, Kaimanen, Anakondas – die relativ groß sind, wissen, welche Lebewesen ihre Beute sind und welche nicht. Menschen passen eigentlich nicht in ihr Beuteschema, uns gegenüber werden sie eher scheu sein. Wir müssen vorbereitet sein auf die kleineren Tiere, etwa Mücken, die viele Tropenkrankheiten übertragen können, auf Parasiten und kleine, giftige Tiere, die uns aus Versehen beißen könnten. Wir haben ein Wasserfiltersystem mit Aktivkohlefilter und einem Keramikfilter. Parasiten oder auch chemische Belastungen hervorgerufen durch Ölbohrungen dort werden herausgefiltert. Wir haben stichsichere Kleidung von Jack Wolfskin bekommen, sodass wir uns in dieser Hinsicht sehr sicher fühlen.

portrait of oneof the paddlers through the amazon JW

Wie habt ihr Euch auf das Abenteuer Amazonas sonst noch vorbereitet?

Julian: Das meiste war Recherche: Welche Kleidung ist am besten geeignet? Welche Impfungen sind notwendig? Welche medizinische Versorgung, sprich Medikamente, müssen wir mitnehmen?

Wir mussten uns aber auch körperliche Herausforderung einstellen. Seit eineinhalb Jahren machen wir Touren, um uns für den ganzen Tag im Kanu vorzubereiten. Diese Touren haben uns auch geholfen zu erkennen, was wir brauchen werden. Welches Wasseraufbereitungssystem funktioniert für uns am besten? Wie verpacken wir die Ausrüstung, sodass wir möglichst mobil bleiben? Jeden Abend werden wir das Boot ent- und am nächsten Morgen wieder beladen müssen. Daher ist es sehr wichtig für uns, ein System zu haben, das Zeit spart und komfortabel ist. Wir haben zwei große Packtaschen und darin wiederum einzelne Drybags, um alles ordentlich und übersichtlich zu halten. Wir haben noch zwei Koffer für unsere Kamera und die Drohne, eine Versorgungstonne für Lebensmittel und einen Wasserkanister. Wir leben auf dem Boot, daher muss all das Gepäck so geordnet sein, dass wir immer wissen, wo was ist und wir jederzeit gut an alles herankommen.

Wie bekommt ihr heute Ausrüstung nach Ecuador?

Julian: Wir haben letzte Woche das Boot am Hafen abgegeben, wo es als Teilladung in einen Container verladen wurde. Auch hier mussten wir erstmal herausfinden, wie man ein Kanu verschifft, wie verpackt man es so, dass es auch heile ankommt? Wir haben bereits viel Ausrüstung im Boot verpackt. Gestern hat das Schiff mit Kurs auf Ecuador abgelegt und kommt voraussichtlich am 17. September an.

Was werdet ihr auf Eurer Reise essen?

Julian: Freundlicherweise wurden uns Angeln gesponsert, wir werden also unterwegs Fische fangen. Ansonsten müssen wir schauen, was wir vor Ort bekommen, viele Vorräte können wir nicht packen, weil wir wenig Platz haben. Yucca Wurzeln werden einen großen Teil unsere Nahrung ausmachen. Wir nehmen Vitalstoffe mit, sodass wir etwaigen Mangelerscheinungen vorbeugen können. Weil wir den ganzen Tag paddeln, müssen wir darauf achten, dass unsere Körper nicht übersäuern.

Konstantin: Um unseren Kalorienbedarf zu decken, werden wir in unserer Versorgungstonne aber Reis und Nudeln mitnehmen. Dinge mit hoher Dichte, die nicht viel Platz einnehmen, Energie liefern und die wir in den Städten bekommen können und immer nachfüllen können.

Worauf freut Ihr Euch am meisten?

Julian: Ich freue mich besonders auf die unterschiedlichen Menschen, auf die wir in den Dörfern treffen werden und auf den Austausch mit ihnen. Ich glaube, wir werden sehr viele schöne Begegnungen haben.

Konstantin: Da schließe ich mich an. Ich freue mich aber auch darauf, dass nun ein komplett neues Kapitel beginnt. Bis jetzt saß ich sehr viel am Schreibtisch und konnte nur ab und zu kurz in die Natur gehen. Ich musste viel für die Uni arbeiten und mich mit theoretischen Sachen beschäftigen. Was uns nun erwartet, werden reine Praxiserfahrungen sein. Tief im Wald sein, nachts den Sternenhimmel zu sehen, auf solche Sachen freue ich mich.

relaxcing on hammocks with boat and Jack Wolfskin equipment

Wie werdet Ihr Eure Reise dokumentieren? 

Julian: Wir haben eine Kamera und eine Drohne dabei und der Plan ist vorrangig, die Paddeltour erst mal nur für uns filmisch zu dokumentieren. Was wir am Ende genau aus dem Filmmaterial machen, schauen wir dann. Wir werden aber von unterwegs Bilder und Erlebnisse auf unserem Blog und Instagram Kanal teilen.

Konstantin: Auf unserer Reise werden wir immer wieder größere Städte passieren, in denen wir dann Internetzugang haben. Sollte einmal die Zeit oder die Internetverbindung nicht reichen, haben wir Freunde und Familie zu Hause, die uns dabei unterstützen, unsere Erlebnisse auf den sozialen Medien zu teilen. Auf unserer Webseite werden wir auch eine Karte mit GPS Punkten integrieren, sodass man unseren Reiseverlauf live mitverfolgen kann.

Wer mehr über das Abenteuer Amazonas von Julian und Konstantin erfahren möchte, kann auf dem Blog der beiden weiterlesen. Dort gibt es auch nähere Informationen zur Stiftung Fundação Vitória Amazônica (FVA), die sich für den nachhaltigen Schutz des Amazonas Regenwaldes einsetzt. 

Spenden könnt ihr hier

Weiter Updates von Konstantins und Julians Reise findet ihr auf dem Instagram Kanal der beiden.