Korsika GR20 in Monochrom

Korsika

Googelt man „Korsika-Füchse“ im Internet, so findet man dazu zahlreiche Kommentare und Einträge. Hartnäckig wären sie und vor allen Dingen frech und geschickt. Achtmal hatten wir in dieser Nacht unerwünschten Besuch von ihm, einmal biss er sogar von außen ins Zelt, wohl ahnend bzw. „wohlriechend“, dass dort noch ein halber verpackter Bergkäse liegt. Fazit: Ab morgen hängen wir, wie in Kanada üblich, das Essen außerhalb des Zeltes in die Bäume. Und wahrhaftig: danach war endlich Ruhe.  

Vor 26 Jahren war ich das letzte Mal zum Wandern in Korsika und schon damals war der GR20 ein Klassiker. Nun wollten Andrea und ich uns für einen Kurztrip von 14 Tagen noch einmal auf den Mythos des bekanntesten französischen Bergwanderweges wagen. Wir flogen von Frankfurt über Paris nach Bastia, wo unsere Reise begann. Die Jahreszeit – Anfang September – ist für eine Bergtour durch Korsika perfekt. Immer noch sehr angenehm warm, nicht zu heiß und kaum Regen.  

Die perfekte Verbindung – mit der Eisenbahn durch Korsika

Nach der Ankunft am Nachmittag fuhren wir zum Hotel in Bastia, hatten ein romantisches Abendessen und reisten am nächsten Morgen zweieinhalb Stunden mit dem Zug nach Vizzavona, in das Herz Korsikas. Wir hatten uns die Nordroute vorgenommen – zehn Tage Bergwanderung. Zu Beginn taucht man sofort in die grandiose, abwechslungsreiche (Berg-) Landschaft Korsikas ein: Dichte Wälder, glasklare Badegumpen und ein leicht dahingleitender Aufstieg zum Gipfel. Der „Parc Naturel Regional de Corse“ beeindruckt durch seine überragende Schönheit. Abends erreichen wir müde und zufrieden die Refuge de l ‚Onda auf 1.430 m. Auf dem Hinweg sind uns die großen Gruppen an Bergwanderer aufgefallen; klar, dass in den vergangenen 26 Jahren der GR20 immer mehr an Popularität gewonnen hat. Als wir hinter die Refuge schauen, entdecken wir den „Campingplatz“, auf dessen eingezäunten engen Raum sich über 60 Zelte eng aneinander reihen. Dementsprechend „gepresst“ fällt die Sitzordnung zum Abendessen aus. Hierzu muss gesagt werden, dass Jean Do, der Hüttenwirt ein köstliches Drei-Gänge-Menü auffährt und es als Nachtisch für jeden Gast eine saftige Riesenorange gab. Sieben Euro zahlt man auf dem GR20 für seinen Schlafplatz im eigenen Zelt, wer keines dabei hat, kann sich gegen einen Aufpreis von 17 Euro ein einfaches Wurfzelt mieten …

Für den nächsten Tag planten wir unser gestecktes Tagesziel zu überbieten und direkt zur nächsten Bergerie zu laufen, ein echter Geheimtipp: die Bergerie de Vaccaghia, eine wunderschöne Hochalm, mit grünen Wiesen, wo wir herzlichst aufgenommen wurden und das Zelten offiziell erlaubt ist (im Gegensatz zu den Infos aus dem Internet und den Wanderführern). Nach korsischen Wurst- und Schinkenspezialitäten und einem Riesentopf mit Nudelgulasch sowie einem abschließenden Kräuterlikörnachtisch schleppten wir uns beseelt ins Zelt.

Schwein kreuzt den Weg
Brückenbogen Korsika

Korsika – Monochrom! Was soll das denn sein???

Für diese Reise wollte ich einmal fotografisch leicht, aber mit einer spannenden Herausforderung, unterwegs sein und so nahm ich eine Leica s/w Monochrom mit einer 28 mm Festbrennweite mit. Die Monochrom kann nur digital schwarz-weiß und verfügt mit seinem 1:1 Chip über einen extremen Grauwertebereich. Reportage pur! Keinen Zoom, alles Handarbeit, Fotovergnügen garantiert!

Wir starteten früh von der Bergerie de Vaccaghia und genossen die traumhaft schöne Landschaft auf dem Weg zum Lac de Nino. Weite Sumpf- und Weideflächen, lichter Buchenwald, wilde Bergkämme, neblige Pässe, vom Wind gebeugte Bäume. Wir teilten uns den Weg so ein, dass wir am späten Nachmittag die Bergerie de Radule erreichten. Traumhaft an Wassergumpen gelegen und erst vor vier Jahren eröffnet: alternativ, urgemütlich, tolles Essen!Abgebogen auf einsamen Pfaden …

Als wir von der Bergerie de Ballone aufbrachen, lagen vier harte Tage in der GR20-Nordroute vor uns. Man konnte nur in beengten Refuges übernachten … Es waren einfach – für uns jedenfalls – zu viele Menschen unterwegs. Wir schlugen daher die Karte auf und da war sie: die Querung nach Asco, die uns sofort ins Auge stach. Eine winzig eingezeichnete Route durch ein langes Tal in Richtung Norden. Ein 1.846 m hoher Pass hinüber in das Tal nach Asco, einem bekannten Bergdorf und Winterskigebiet. Es sollte einer der schönsten Bergwege sein, die wir beide je gelaufen sind!

Steinhaus

Von der Bergerie de Ballone geht es in östlicher Richtung bergauf, wobei man die Bergerien de Titarba quert, einen Pass auf 1.900 m Höhe. Dann folgt der Abstieg zur Bergerie de Corsa Arsa auf 1.611 m. Ideal wäre es dann zur Straße abzusteigen und per Anhalter an den Campingplatz von Lozzi mitgenommen zu werden. Von hier starten viele Wanderer zur Besteigung des Monto Chinto. Bei einem der beiden Campingplätze gibt es köstliche Pizzen aus dem Ofen und einen riesen Tomatensalat (schließt aber Mitte September!). Gut gestärkt ging es in Richtung Corskia, dem Ausgangpunkt unserer „Tour der Einsamkeit“.

Ab hier haben wir drei Tage keinen Menschen mehr getroffen und gesehen! Die Wanderung war ein Traum! Leicht markiert durch einen orangenen, waagrechten Strich oder durch Steinmänner. Man muss genau schauen und ab und zu mal wieder zur letzten Markierung zurück, wenn man den Weg verpasst hat. Aber es lohnt sich! Von 841 m startet der Pfad oberhalb der Kirche von Corskia. Er steigt stetig an und durchstreift eine baumlose Buschlandschaft mit wunderbarem Ausblick. Aber wir möchten gar nicht so viel berichten und die Spannung nicht verraten … Eines sei aber gesagt: Korsika ist ein Traumgebirge im Meer und wer es versteht die Wanderkarte zu deuten, der findet sie immer noch: die Einsamkeit und das Abenteuer!

Es grüßt euch,Dieter Glogowski www.dieter-glogowski.de und Andrea Nuss www.andrea-nuss.de.