Die Arctic V beim Arctic Circle Race in Grönland 2015

Schlittenhunde

Endlich war der Tag der Abreise gekommen. Wir flogen über Kopenhagen und Kangerlussuaq nach Sisimiut. Hier sollte in wenigen Tagen das härteste Skirennen der Welt, das Arctic Circle Race, starten. Und ich war mit meinem Team dabei. Als einzige Britin und als eine von nur 22 Frauen im Teilnehmerfeld.  

Drei Monate hatten wir uns auf dieses Rennen vorbereitet. Im Vergleich zu den meisten Teilnehmern haben wir allerdings nicht unser gesamtes Leben auf Langlauf-Ski verbracht, sondern kommen aus anderen Sportarten.

Vor uns liegt eine Laufstrecke von 99 Meilen. Habe ich mich genug vorbereitet? Wird der 38 cm lange Metallnagel in meinem rechten Bein (die Erinnerung an meine schlimme Beinverletzung von 2010) einfrieren und mich von der Teilnahme abhalten?

Los gehts

Tag 1: Auf jedes Hoch folgt ein Tief

Die erste Etappe hat 33 Meilen. Ich möchte eigentlich langsam starten und mich nach und nach steigern. Doch das Publikum jubelt mir so zu (besonders als ich sie mit einem spektakulären, aber harmlosen Sturz unterhalte), dass ich von Anfang an Vollgas gebe. Die ersten neun Meilen fliegen an mir vorbei, doch dann verliere ich meine Energie. Nichts geht mehr.

Da höre ich plötzlich meinen Teamkollegen Chris hinter mir. Wir kämpfen uns gemeinsam über den Rest der Strecke. Plötzlich fühlt es sich wieder machbar an. Als ich endlich die Ziellinie überquere, sollte ich stolz darauf sein, es geschafft zu haben. Doch um ehrlich zu sein: Ich habe nur Angst vor den Qualen auf der nächsten Etappe.

Tag 2: Klirrende Kälte und dichter Nebel

Nach einer unruhigen Nacht im Zelt fühle ich mich überraschenderweise besser als erwartet.

Der zweite Tag beginnt mit einem brutalen Aufstieg, danach folgt eine Abfahrt durch dichten Nebel. Chris stürzt und zerbricht dabei seinen Ski. Zum Glück können wir ihn mit Klebeband retten. Meine Wimpern frieren so ein, dass ich meine Augen kaum offen halten kann.

Mein Teamkollege Adam und ich tun uns diesmal zusammen und helfen uns gegenseitig durch unsere Tiefpunkte. Als wir uns an der Ziellinie in die Arme fallen, wissen wir, dass wir es ohne einander niemals geschafft hätten.

Tag 3: Ein unvorhergesehenes Ende

Um 3 Uhr morgens werde ich vom Wind, der unser Zelt schüttelt, geweckt. Das ist kein gutes Zeichen. Sogar die Grönländer, die extremes Wetter gewohnt sind, scheinen besorgt zu sein. Die Gefahr von Eisbären, Lawinen und verirrten Teilnehmern ist zu groß, sodass die Organisatoren das Rennen abbrechen.

Ich habe das Gefühl versagt zu haben. Doch ich kann diese Gedanken schnell abschütteln: Wir haben uns immerhin 63 Meilen durch Eiseskälte und Nebel gekämpft. Nicht nur für uns, sondern auch für unseren guten Zweck: Ski4Cancer.

Am nächsten Tag kommt die Sonne heraus und wir beschließen unser Grönland-Abenteuer auf eine besondere Art zu beenden: Als wir auf einem Hundeschlitten durch den Schnee rasen und uns der Wind durchs Haar weht, fühlt sich unsere Reise komplett an.

Winterkulisse