Mit dem Bike von den Victoria-Wasserfällen bis Kapstadt | #2

02.10.2014

Mit dem Bike von den Victoria-Wasserfällen bis Kapstadt | #2

An langen Schlaf ist auch heute nicht zu denken. Um 4.30 Uhr ist Wecken angesagt, ein kurzes Frühstück, und dann geht es aufs Rad. Kleine Zusatzaufgabe aufgrund des gestrigen Radbruchs: Anstatt die 62 Kilometer per Transfer zu bewältigen, müssen wir sie, weil der Anhänger noch nicht repariert ist, zusätzlich auf dem Rad bewältigen.

„Der Aufbruch ist ein bisschen ungewöhnlich, schließlich ist es tiefe Nacht, und wir fahren die ersten 20 Kilometer im Dunklen. Dann geht die Sonne auf und zaubert ein ganz und gar ungewöhnliches Licht auf die bisher noch grauen Bergformationen. Erst in zartem Rotton, danach etwas intensiver, und schließlich leuchten die Berge rechts und links des Tales in sattem Rot. Ein unglaubliches Bild. Erst recht, als wir auf die große Düne Nummer 45 zufahren, die in einem zarten Rosa leuchtet. Die ersten Campingmobile sind bereits da, als wir die Düne erreichen. Rund um die Szenerie sind einige der höchsten Sanddünen der Welt zu sehen, alle in unterschiedlichen Rottönen. Natürlich gehe ich, wie die anderen Besucher auch, ein Stück nach oben, doch dann setze ich mich einfach auf den Grad und lasse den Moment auf mich wirken.

Es gibt für mich bisher drei Orte, die eine ganz spezielle Magie, eine nicht greifbare Kraft ausstrahlen: Das Tai Mahal im indischen Agra, die erste Terrasse des Sellastocks in Südtirol und eben diese Düne. Einer der Orte, die man gefühlt haben muss.Mit Sicherheit ebenso schön ist das Hidden Vlei, die Postkartenansicht einer Dünenlandschaft, die das Bild Namibias durch die ganze Welt trägt. Es ist lediglich eine Stunde per Rad entfernt - am Ende des Sacktales. Ein weiteres Highlight dieser Reise. Genauso wie das englische Frühstück mit Speck, Rührei und frisch gebratenen Würstchen, das am Begleitfahrzeug bereits bereitsteht. Kein Wunder, dass die 62 Kilometer zurück ein bisschen länger scheinen. Ganz vergessen, meine neue Liebe - doch dazu morgen mehr.

Abenteuer auf der Königs – Tag 12

Die Königs-Etappe steht an – 140 Kilometer zum Beta-Camp. Fast ein halbes Jahr lang hatte ich mich vor dieser Strecke schon gefürchtet, und jetzt stehen wir um 5.30 Uhr vor den Toren des Camps, und es geht los.Die Passage wird noch anstrengender als befürchtet. Keinen Meter Teerstraße werden wir fahren, es geht ausschließlich Offroad auf einer üblen Piste. Die ersten 30 Kilometer sind anstrengend, aber immerhin ist es kühl. Außerdem hat erst Ulrike einen Plattfuß, nach insgesamt gut zehn Kilometern dann ich. Wird mir nicht mehr passieren, denke ich, denn jetzt kommt ein Pannenband in den Reifen. Die zweite Passage - einige meiner Mit-Biker steigen jetzt bereits in den Bus - wird hammerhart. Erbarmungslos brennt die Sonne auf uns herab, der Kies, durch den wir uns quälen, wird immer tiefer. Außerdem sind ganz erstaunlich hohe Hügel mit dem Bike zu erklimmen. Warum, bitteschön, tue ich mir das an? Wer zwingt mich, durchzuhalten? Und will ich wirklich nach den nächsten 30 Kilometern weitermachen? Vielleicht hilft mir meine neue Liebe, mein Bike. Als Neuling konnte ich die Qualität des Carbon-Rades bisher noch nicht einschätzen, doch jetzt weiß ich, warum die Bikes von M1 sporttechnik keine Massenware sind. Auch die anderen Mitradler sind von dem Rad, das so herrlich leicht rollt, begeistert. Spätestens nach dieser Strecke liebe ich meine neue Freundin aus Carbon. Sie trägt mich weiter, auch wenn ich nicht mehr kann, rollt unerwartet leicht an, wenn wieder ein Sandbett auftaucht - es macht einfach Freude, mit einer solch charmanten Begleiterin unterwegs zu sein.

Nach dem Mittagessen geben die meisten auf. Lediglich Helene,Ulrike, Lutz, Mario und ich kämpfen uns weiter. Unser Guide Tallis zwangsmäßig auch, denn er sichert die Truppe nach hinten ab. Nach der letzten Pause, 120 Kilometer sind geschafft, will Tallis abbrechen. Er fürchtet, erst im Dunklen im Ziel zu sein. Damit bin ich gar nicht einverstanden. Gerade jetzt um 16.45 Uhr wird es etwas kühler, vielleicht nur noch 30 Grad, es ist wieder etwas leichter zu fahren. Gemeinsam mit Lutz, Ulrike und dem wieder eingestiegenen Uwe nehmen wir auch die letzten 20 Kilometer in Angriff. Sie vergehen wie im Flug. Um 18.15 Uhr, etwas mehr als zwölf Stunden nach dem Aufbruch, rollen wir in das Camp in Betta ein. Ein stiller Triumph vor allem für mich. Als Nicht-Mountainbiker 12 Stunden Offroad durch die Wüste - vielleicht werde ich doch langsam einer von ihnen. Auch wenn mein innerer Schweinehund mich gerade lockt, morgen eine kleine Pause einzulegen. Mal sehen, wer von uns beiden gewinnt.

Mit Ehrgeiz geht alles! – Tag 13

Meine Oberschenkel sind ein einziger Muskelkater. Vorne ohnehin, doch auch die Rückseite zieht von der Gesäßmuskulatur bis nach unten. Außerdem bin ich unendlich schlapp. Ich lasse daher bis nach dem Frühstück offen, ob ich heute fahre oder im Begleitfahrzeug bleibe. Am Ende siegt doch der Ehrgeiz, ich steige aufs Rad. Ein bisschen mühsam zwar, aber egal, es wird schon gehen. Nachdem zuerst Ulrike einen Platten hat, folge kurz danach ich. In Windeseile werden die Schläuche gewechselt, die Innenseiten der Reifen nach Dornen abgesucht - ich finde sechs Stück - und dann geht es weiter. Nicht lange allerdings. Nach gut 15 Kilometern entweicht erneut die Luft, diesmal vorne. Was eigentlich nicht sein kann, da im Vorderreifen das Pannenband steckt. Doch als hätte es der Dorn, er sieht aus wie der Stachel einer Rose, geahnt: Er hat sich direkt neben dem Band in den Schlauch gebohrt. Da ich keinen weiteren Ersatzschlauch mehr habe, muss ich nun im Begleitfahrzeug mit. So richtig traurig bin ich nicht. Ich bin nach dem gestrigen Tag noch unendlich ausgelaugt. Umso schöner, dass Tallis uns ein phantastisches Plätzchen für die Nacht ausgesucht hat. Inmitten der Wüste, ruht auf einer kleinen Anhöhe ein gewaltiger Felsblock. Daran angelehnt ein kleines Häuschen mit improvisierter Küche und Bad. Nur die Dusche funktioniert nicht. Kein Problem - für diesen Traumplatz, der einem Abenteurer-Katalog entnommen sein könnte, nehme ich das gerne in Kauf. Abgesehen davon werden wir morgen den zweitgrößten Canyon der Welt sehen. Es dürfte interessant werden.

Warum tue ich mir das an? – Tag 14

Es fällt ein bisschen schwer, dieses traumhafte Ambiente zu verlassen. Dieses kleine Koch-, und das etwas größere Toilettenhäuschen, die da an den gewaltigen Sandsteinblock angelehnt sind, könnten auch irgendwo im Westen Amerikas stehen und geben eine wildromantische Szenerie wieder. Aufbruch ist erneut um 6.30 Uhr, Wecken also um 5.30 Uhr. Wir haben heute eine lange Transferzeit zum Fish River Canyon vor uns. Eigentlich sollten es vier Stunden sein, doch wir kommen erst um 15.30 Uhr an. Ich habe fast die ganze Busfahrt geschlafen, sogar geträumt. Irgendwie bin ich körperlich einfach fertig. Als dann auch mein Schlauch erneut Luft verliert und ich daher nicht einmal in den Pool kann, bevor wir um 16 Uhr erneut aufbrechen, ist meine Stimmung am Tiefpunkt. Irgendwie reicht es mir jetzt. Die enormen Anstrengungen, die wenigen Ruhepausen, die Hitze, und jetzt auch noch der Verzicht auf den nebenan plätschernden Pool. Ich könnte alles hinwerfen. Außerdem habe ich keine Lust, jetzt auch noch zehn Kilometer zum Aussichtspunkt des Fish River Canyon zu radeln - in das Begleitfahrzeug zu steigen, will ich aber erst recht nicht. Mit Todesverachtung radle ich los, ich will einfach nur meine Ruhe haben. Wir fahren direkt gegen die Sonne, die Hitze brennt mir ins Gesicht, außerdem geht es diese zehn Kilometer ausschließlich aufwärts – klar, ist ja ein Aussichtspunkt. Meter um Meter quäle ich mich nach oben, habe das Gefühl, nun endgültig keine Kraft mehr in den Beinen zu haben.

Daher kann mich die Aussicht auf den zweitgrößten Canyon der Welt auch nicht recht begeistern. Dabei ist die Kulisse wirklich traumhaft – ein Stück USA, mitten in Namibia. Wahrscheinlich setze ich mich heute Abend besser alleine auf eine Düne, schaue in den Sternenhimmel, trinke ein Bier und gehe dann früh ins Bett. Punkt zwei und drei treffen zu, aber ich bleibe dann doch bei den anderen am Lagerfeuer sitzen. Keine Ahnung, ob der Tag morgen besser wird. Ich bin gespannt.

Wie neugeboren! – Tag 15

Meine Stimmung ist auch heute nicht sonderlich gut. Wie soll sie auch bei einer Weckzeit von 5.30 Uhr. Eine Stunde später müssen wir aufs Rad, Lust habe ich überhaupt keine. Doch dann geht es unerwartet flott voran, die Sonne scheint in den Canyon, an dessen Rand wir entlangfahren und ich fühle mich wie neu geboren. Schon nach fünf Minuten erkenne ich, dass meine Muskulatur endlich angekommen ist in Afrika, dass ich fit bin, endlich keinen Muskelkater mehr habe und heute die Fahrt so richtig genießen kann. 70 Kilometer sind es bis Ai Ais, und ich genieße jetzt jeden Meter. Kein Berg erscheint mehr unbezwingbar, mein Rad und meine Stimmung steigen mühelos nach oben. Ich bin nicht mehr am Ende der Gruppe, sondern in der Mitte – selbst dass ich meine Trinkflasche auf einer Schotterpiste verliere, trübt die Stimmung nicht. Bereits um 10.30 Uhr sind wir am Ziel, bei den heißen Quellen von Ai Ais. Endlich frei und wir stürzen uns nach der zügigen Fahrt durch die staubige Wüste erleichtert in die Fluten. Schade, dass morgen ein Ruhe- und Transfertag ansteht. Aber immerhin werden wir morgen erstmals Südafrika sehen.

Viele Grüße, euer Gerhard von Kapff“

Weitere Infos und Bilder auch auf biketourafrika.wordpress.com

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